Bei den Alvarezsauriden handelte es sich um eine Gruppe zweibeiniger Dinosaurier, die üblicherweise unter fünf Kilogramm wogen und sich durch winzige Zähne und kurze Stummelarme auszeichneten, die in einer einzigen großen Daumenklaue endeten. Wahrscheinlich ernährten sich diese Dinosaurier von Ameisen und Termiten, deren Hügel sie mit Hilfe ihrer Klaue aufgruben. Fossilien dieser Gruppe wurden in Asien und Südamerika gefunden, wobei insbesondere die südamerikanischen Funde meist nur fragmentarisch und dadurch schwierig zu interpretieren waren.

So klein wie ein Zwerghuhn
Nun hat ein Team um Peter Makovicky von der University of Minnesota in Minneapolis erstmals ein nahezu vollständiges Skelett eines südamerikanischen Alarezsauriden beschrieben. Entdeckt wurde das rund 90 Millionen Jahre alte Fossil, das die Paläontologen der Art Alnashetri cerropoliciensis zuordnen, bereits im Jahr 2014 in der Fundstätte La Buitrera im Norden Patagoniens. Mehr als zehn Jahre lang hat das Forschungsteam die winzigen Knochen analysiert und mit weiteren Funden abgeglichen. Der Analyse zufolge wog Alnashetri weniger als ein Kilogramm, erreichte also gerade einmal die Maße eines Zwerghuhns. Mikroskopische Untersuchungen der Knochen bestätigten jedoch, dass es sich um ein erwachsenes Tier handelte, das mindestens vier Jahre alt war.
„Damit repräsentiert Alnashetri cerropoliciensis das kleinste bisher bekannte südamerikanische Taxon“, erklären Makovicky und seine Kollegen. Alnashetris Zähne und Arme waren im Verhältnis zur Körpergröße noch etwas länger als die seiner späteren Verwandten. Demnach kam es nicht erst im Laufe der Evolution zur Miniaturisierung der Alvarezsauriden, wie das Team erklärt. Stattdessen gab es schon früh in ihrer Entstehungsgeschichte winzige Arten, noch bevor sich die später als typisch betrachteten Merkmale der Gruppe vollständig ausgebildet hatten.
Verbreitung auf dem Superkontinent Pangäa
Das neu beschriebene Fossil hilft auch dabei, weitere, bisher schwierig zu interpretierende Relikte dieser Dinosauriergruppe einzuordnen. „Der Übergang von fragmentarischen Skeletten zu einem fast vollständigen und artikulierten Tier ist wie die Entdeckung eines paläontologischen Rosetta-Steins“, sagt Makovicky. „Wir haben jetzt einen Bezugspunkt, der es uns ermöglicht, weitere fragmentarische Funde genau zu identifizieren und evolutionäre Übergänge in der Anatomie und Körpergröße zu kartieren.“
In Museumssammlungen stießen die Forschenden auf weitere Fossilien aus Nordamerika und Europa, die sie durch den Vergleich mit dem neuen Skelett ebenfalls als Alvarezsauriden identifizieren konnten. Das deutet darauf hin, dass diese Gruppe weit verbreitet war und sich wahrscheinlich bereits entwickelte, als die Kontinente noch als Superkontinent Pangäa miteinander verbunden waren. Erst die Aufspaltung der Landmassen sorgte demnach dafür, dass sich die Alvarezsauriden in unterschiedlichen Teilen der Welt getrennt entwickelten. „Diese Entdeckung gestaltet unser Verständnis der Evolution dieser Dinosauriergruppe weitgehend neu“, schreiben die Forschenden.
Quelle: Peter Makovicky (University of Minnesota, Minneapolis, USA) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10194-3





