Im Zuge der Energiewende wird die Menschheit aller Voraussicht nach nicht um einen Ausbau der Windenergie herumkommen. Die Frage nach möglichen Standorten für die Anlagen sorgt dabei allerdings schon seit jeher für Diskussionen. In Deutschland ist der gesetzliche Mindestabstand zu Wohnsiedlungen aktuell Ländersache – in den meisten Bundesländern beträgt er um die 1.000 Meter. Das sorgt dafür, dass die Windparkbetreiber in der Standortwahl eingeschränkt sind und auf Alternativflächen zurückgreifen müssen, zu denen auch Waldgebiete gehören.
Störeffekte jenseits der Rotorkollisionen untersucht
„Wälder sind sensible Ökosysteme und wertvolle Lebensräume für viele seltene und geschützte Fledermausarten“, erklärt Seniorautor Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia Ellerbrok und weiteren Forschern hat er untersucht, inwiefern sich in Wäldern angesiedelte Fledermäuse von dort installierten Windkraftanlagen gestört fühlen. Hierzu zeichneten die Wissenschaftler über mehrere Monate hinweg die Fledermausaktivitäten in mehreren hessischen Waldgebieten rund um Windräder auf. Die Flattertiere wurden dabei in drei Kategorien unterteilt, je nachdem ob diese Arten eher auf offenen Flächen, im Grenzgebiet oder in engen Umgebungen, also unterhalb der Baumkrone, jagen. Letztere wurden von den Wissenschaftlern als Waldspezialisten bezeichnet.
„Windkraftanlagen in Wäldern können Fledermäusen in mehrfacher Hinsicht Probleme bereiten. Fledermäuse, die oberhalb der Baumkronen nach Insekten jagen, können direkt an den Anlagen getötet werden – durch Kollision mit Rotorblättern oder einfach durch die erheblichen Druckunterschiede, die sie nicht überstehen“, sagt Voigt. „Fledermäuse, die in der Vegetation unter den Baumkronen jagen, verlieren durch die Rodungen einen Teil ihres Lebensraums.“ Das machte sich auch in den Messungen der Forscher bemerkbar: „Wir stellten fest, dass diese Waldspezialisten in der Nähe von Windkraftanlagen deutlich weniger aktiv sind, insbesondere in der Nähe von Turbinen mit großen Rotoren, sowie in den Hochsommermonaten“, erklärt Voigt.
„Windkraftanlagen können Probleme bereiten“
Um festzustellen, ab wann sich die Tiere von den Anlagen gestört fühlen, zeichnete das Team die akustische Aktivität mithilfe von Ultraschalldetektoren in verschiedenen Abständen zu den Maschinen auf. Sowohl bei den auf Freiflächen als auch in Randgebieten jagenden Fledermäusen konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Unterschiede feststellen. Von der maximalen Messdistanz von 450 Metern auf 80 Meter Abstand nahmen die gemessenen Werte der Waldspezialisten jedoch um fast 50 Prozent ab. Dies hängt laut Voigt und seinem Team auch damit zusammen, dass Gattungen wie Mausohren oder Langohrfledermäuse die engen Räume und die vertikale Heterogenität unter den Baumkronen für ihre Art der Jagd und zum Schutz brauchen. Für Windkraftanlagen gerodete Gebiete, sowie der Betrieb der Windturbinen stören die Flattertiere dabei.





