Sie werden für ihre Hörner und Zähne gejagt, als Haustiere vermarktet oder zu Medizin und Fleischprodukten verarbeitet: Der Handel mit Wildtieren ist eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie – und betrifft längst nicht nur Elefanten und Nashörner. “Legaler und illegaler Wildtierhandel findet auf globaler Ebene statt und mit einer breiten Palette an Spezies”, erklären Brett Scheffers von der University of Florida in Gainesville und seine Kollegen. Klar ist, dass diese Praxis eine potenzielle Bedrohung für das Überleben vieler Tiere darstellt. Doch wie groß sind die Dimensionen des weltweiten Wildtierhandels und sein Einfluss auf die Biodiversität wirklich? Bisherige Studien dazu lieferten nur ein unvollständiges Bild – das Team um Scheffers hat sich nun erstmals an einem globalen und möglichst umfassenden Überblick versucht.
Säugetiere besonders betroffen
Um herauszufinden, welche Tiere auf Wildtiermärkten verkauft und gekauft werden, werteten die Forscher Datenbanken der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN und der Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES) aus. Insgesamt sammelten sie dabei Informationen zu 31.745 terrestrischen Wirbeltierarten, darunter Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien. Die Analysen offenbarten: 5579 der betrachteten Spezies werden derzeit legal oder illegal gehandelt. Das entspricht mindestens einer von fünf Arten und übersteigt bisherige Schätzungen deutlich, wie die Wissenschaftler berichten. Demnach sind 40 bis 60 Prozent mehr Wirbeltierspezies betroffen als bislang angenommen.
Die Ergebnisse zeigen auch, wo und mit welchen Tieren besonders viel gehandelt wird. So scheinen Vogel- und Säugetierarten stärker im Visier der Händler zu stehen als Reptilien und Amphibien. Bei den Säugetieren sind demnach 27 Prozent, bei den Vögeln 23 Prozent der Spezies betroffen. Zudem trifft es offenbar häufiger Tiere mit großen Körperausmaßen und ausgerechnet bereits bedrohte Arten. Unterschiede gibt es auch bei den Gründen für den Tierhandel, wie Scheffers und seine Kollegen herausfanden: Während Amphibien und Reptilien vor allem als Haus- und Zootiere gehandelt werden, spielt bei Vögeln und Säugetieren zusätzlich die Vermarktung als Produkt eine Rolle – sei es in Form von Fleisch, Trophäen oder vermeintlichen Heilmitteln. Die geografischen Hotspots des Wildtierhandels liegen laut den Auswertungen in den Tropen – also jenen Regionen, die für ihren Reichtum an exotischen Tieren bekannt sind. Als “Epizentren” der Industrie kristallisierten sich dabei Südamerika, Südostasien sowie Zentral- und Südostafrika heraus.
Beobachtungsliste für gefährdete Arten
Für die Forscher ist angesichts der jetzt enthüllten Zahlen klar: Sowohl die Dimensionen des Wildtierhandels als auch dessen Bedeutung für das Artensterben sind größer als gedacht – und in Zukunft könnten sogar noch mehr Tiere betroffen sein. Denn Scheffers und seine Kollegen erarbeiteten ein Modell, um zu prognostizieren, wie sich der Tierhandel künftig weiterentwickeln wird. Das Ergebnis: Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den derzeit gehandelten und zunehmend dezimierten Wirbeltierarten könnten bis zu 3196 weitere Spezies in absehbarer Zeit an Bedeutung für diese Industrie gewinnen. “Insgesamt kommen wir so auf 8775 Arten, die durch den Handel potenziell in ihrer Existenz bedroht sind”, konstatieren sie.





