Text: Elena Bernard
Zusammengebundene Stöckchen, akkurat arrangierte Kiefernzapfen und leuchtend rot angemalte Kästchen mit Stroh: Viele solcher „Insektenhotels“ sind für uns Menschen hübsch anzusehen und haben durchaus einen Wert als Deko-Objekt. Doch wer sich die ordentlich nebeneinander aufgereihten Mini-Habitate in den Garten holt, verspricht sich üblicherweise mehr davon. Schließlich sollen darin laut Angaben der Hersteller zahlreiche Nützlinge wie Wildbienen, Florfliegen, Schmetterlinge und Co. Unterschlupf finden. Für viele Naturfreunde wird das Projekt „Insektenhotel“ allerdings zur Enttäuschung: So einladend die aufgehängte Wohnmöglichkeit auch aussieht – sie bleibt leer.
Denn viele Modelle, sei es aus dem Handel oder Marke Eigenbau, machen typische Fehler. Das beginnt schon bei der Auswahl, welche Arten angesprochen werden sollen. Viele der künstlichen Behausungen enthalten leere, mit einem Schlitz versehene Holzkästen, in denen angeblich Schmetterlinge ein Winterquartier finden sollen. Doch fast alle heimischen Tagschmetterlinge verbringen den Winter als Eier, Raupen oder Puppen oder wandern in den warmen Süden. Von mehr als 180 Arten sind es nur wenige, für die eine hölzerne Unterkunft überhaupt infrage kommen könnte, etwa Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs. Doch beide Arten bevorzugen geräumige Dachböden, Scheunen oder Höhlen – und wurden Schmetterlingsexperten zufolge noch nie in Insektenhotels gesichtet.
Ähnlich verhält es sich mit den strohgefüllten Kästchen mit roter Klappe. Hier sollen eigentlich Florfliegen unterkommen, die als Nützlinge beliebt sind, da ihre Larven Unmengen an Blattläusen verzehren. Tatsächlich haben Versuche zur biologischen Schädlingsbekämpfung in den 80er Jahren gezeigt, dass die zarten, grün schimmernden Netzflügler gerne im Stroh überwintern und rote Kästen am besten annehmen – allerdings nur bei ausreichender Größe. Betrug die Seitenlänge weniger als 30 Zentimeter, wurden die Kästen deutlich schlechter angenommen. Die im Handel erhältlichen Miniaturformate bleiben entsprechend häufig ungenutzt.
Wenig hilfreich sind auch Fächer mit Kiefernzapfen, Borkenschuppen oder Holzhäckseln. „Insekten suchen keine komplett vom Umfeld isolierten winzigen Verstecke, sondern großflächige, komplex strukturierte und miteinander vernetzte Lebensräume“, erklärt der Biologe Werner David, der sich seit vielen Jahren mit Naturgärten beschäftigt. „Sollte ein Umfeld bereits derart zerstört sein, dass ein winziges Fach mit drei Kiefernzapfen als Versteckmöglichkeit für Insekten eine Rolle spielen würde, gäbe es in diesem Areal längst keine mehr.“
Fokus auf Wildbienen
Sinnvolle Nisthilfen verzichten auf solche unzweckmäßigen Elemente und fokussieren sich ganz auf die Bedürfnisse von Wildbienen. Angebohrte Holzklötze, gelöcherte Tonziegel und stabile Röhrchen aus Stroh, Schilf, Bambus oder Pappe werden gerne zur Aufzucht der nächsten Generation angenommen. Die Weibchen legen darin mehrere Brutzellen hintereinander an, statten sie mit einem Nahrungsvorrat aus, meist bestehend aus Pollen und Nektar, und legen jeweils ein Ei hinein. Eine Wand aus Lehm, Harz oder Pflanzenmaterial – je nach Art – bildet die Abtrennung zur nächsten Kammer. Befruchtete Eier, aus denen Weibchen schlüpfen, kommen in die hinteren Brutzellen, weiter vorne folgen unbefruchtete Eier, aus denen sich Männchen entwickeln. So kommen im Frühling die Männchen zuerst hervor und können die Weibchen bereits erwarten, um sie zu begatten. Die vorderste Brutzelle bleibt bei vielen Arten leer. Sollte eine hungrige Meise den Lehmdeckel in Erwartung einer leckeren Larve aufpicken, wird sie also enttäuscht.





