Wer keine Spülmaschine hat, greift oft mehrmals täglich zum Küchenschwamm. Dabei werden die porösen Helfer stark beansprucht – und verlieren mit der Zeit Material. Wie viel Mikroplastik dabei freigesetzt wird und welche Folgen das für die Umwelt hat, war bislang jedoch kaum untersucht
Mikroplastik aus dem Spülschwamm
Ein Forschungsteam um Leandra Hamann von der Universität Bonn hat dies nun erstmals systematisch analysiert. Ziel der Studie war es, die Mikroplastikfreisetzung unter möglichst realistischen Nutzungsbedingungen zu quantifizieren und die daraus resultierenden Umweltwirkungen mithilfe einer Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, LCA) zu bewerten. Dafür kombinierten die Forschenden Citizen Science mit Laborversuchen. Freiwillige in verschiedenen Haushalten in Deutschland nutzten dafür im Alltag jeweils einen von drei verschiedenen Schwammtypen und dokumentierten ihre Anwendung. Durch diese Einbindung realer Nutzer ließen sich typische Spülgewohnheiten und Belastungen deutlich besser abbilden als in reinen Laborstudien.
Um den Materialverlust zu bestimmen, wurden die Schwämme vor und nach der Nutzung gewogen. Ergänzend kamen kontrollierte Laborversuche zum Einsatz: Eine automatisierte Testmaschine („SpongeBot“) simulierte die mechanische Beanspruchung beim Spülen und erlaubte so vergleichbare Messungen unter standardisierten Bedingungen.
Mehrere Gramm pro Kopf und Jahr
Das Ergebnis: Alle untersuchten Küchenschwamm-Arten verlieren während der Nutzung Material und setzen dadurch Mikroplastik frei. Die jährliche Freisetzung liegt je nach Schwammtyp zwischen etwa 0,68 und 4,21 Gramm Mikroplastik pro Person und Jahr, wie Hamann und seine Kollegen ermittelten. Schwämme mit einem geringeren Kunststoffanteil setzen deutlich weniger Mikroplastik frei. Obwohl die Menge pro Kopf niedrig erscheint, können hochgerechnet auf eine nationale Ebene jedoch relevante Mengen erreicht werden – beispielsweise bis zu 355 Tonnen Mikroplastik pro Jahr, wenn ein bestimmter Schwammtyp flächendeckend in Deutschland genutzt würde. Ein Großteil dieser Partikel wird zwar in Kläranlagen zurückgehalten, dennoch gelangen jährlich mehrere Tonnen Mikroplastik in Gewässer oder Böden.
Insgesamt zeigte die Analyse jedoch, dass nicht die Mikroplastikfreisetzung selbst, sondern vor allem der Wasserverbrauch beim Geschirrspülen per Hand den größten Anteil an den Umweltwirkungen hat. 85 bis 97 Prozent des Umweltfußabdrucks gehen demnach auf den Wasserverbrauch zurück. „Die Wassernutzung überschattet alle anderen Einflüsse“, schreibt das Team. „Als Folge davon haben die Schwämme einen Vorteil, die effizienter reinigen und dadurch die benötigte Wassermenge reduzieren.“
Daraus ergeben sich mehrere Ansatzpunkte, um die Umweltbelastung durch das Geschirrspülen zu verringern. Entscheidend ist vor allem ein sparsamer Umgang mit Wasser, da dieser den größten Einfluss auf die Gesamtbilanz hat. Darüber hinaus können Schwämme mit geringerem Kunststoffanteil dazu beitragen, die Freisetzung von Mikroplastik zu reduzieren. Auch eine längere Nutzung der Schwämme wirkt sich positiv aus, weil dadurch der Ressourcenverbrauch insgesamt sinkt.
Quelle: Universität Bonn; Fachartikel: Environmental Advances, doi: 10.1126/science.adz9467





