Im Pariser Abkommen der UNO wurde vereinbart, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, um Klimarisiken einzudämmen. Denn aus Klimamodellen geht hervor, dass ein stärkerer Klimawandel erhebliche und für viele Länder nicht mehr zu bewältigende Folgen in Form von Stürmen, Dürren, Starkregen und dem Anstieg des Meeresspiegels nach sich ziehen würde. Die Kosten, um sich gegen diese Klimafolgen zu wappnen oder ihre Konsequenzen auszugleichen, wären nach Ansicht vieler Klimaforscher höher als die für rechtzeitige Klimaschutzmaßnahmen.
3,5 Grad statt Zwei-Grad-Ziel?
Doch dem widersprach ein Wirtschaftswissenschaftler, der 2018 immerhin den Nobelpreis bekam: William Nordhaus. Er hatte ein Modell entwickelt, das die Integration des Klimawandels in die langfristige makroökonomische Analyse erlaubt. Mit diesem “Dynamic Integrated Climate-Economy” -Modell, kurz DICE, kann man ermitteln, welche Pfade der Emissionen und Temperaturen zu einer optimalen Balance zwischen den Kosten der Klimaschutzmaßnahmen und den wirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel führen. Nordhaus kam damit auf einen Wert von 3,5 Grad Erwärmung bis 2100 – und damit deutlich höheren Werten als das Pariser Abkommen.
“Während sowohl die UN-Klimaziele wie auch der Nobelpreisträger die Notwendigkeit einer politischen Antwort auf den globalen Klimawandel sehen, unterscheiden sie sich stark in den empfohlenen Temperaturzielen und den Emissionspfaden”, erklären Martin Hänsel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seine Kollegen. Allerdings sind das DICE-Modell und Nordhaus’ Rückschlüsse daraus seither nicht ohne Kritik geblieben. Sie betraf vor allem die Gleichung zur Berechnung des wirtschaftlichen Schadens und die Annahmen zur sogenannten sozialen Diskont-Rate – das Maß der Belastung künftiger Generationen, das eine Gesellschaft für akzeptabel hält.
Doch mit dem Pariser Abkommen vereinbar
Deshalb haben sich Hänsel und sein Team jetzt das DICE-Modell noch einmal vorgenommen und seine Parameter auf Basis neuerer Erkenntnisse aktualisiert. “Im Wesentlichen haben wir das Nordhaus-Modell aufgeschnürt, gründlich überprüft und einige wichtige Aktualisierungen vorgenommen, die auf den neuesten Erkenntnissen der Klimawissenschaft und Wirtschaftsanalyse basieren”, sagt Hänsel. Die Aktualisierungen umfassen ein akkurateres Kohlenstoffkreislaufmodell, eine neue Gewichtung des Temperaturmodells sowie eine angepasste Schadensfunktion. “Allein nach dem, was wir in den letzten zehn Jahren gesehen haben, ist die Annahme hoher klimabedingter wirtschaftlicher Schäden leider realistisch”, sagt Koautor Thomas Sterner von der Universität Göteborg. Hinzu kommen auch neue Erkenntnisse über die normativen Annahmen des Modells zur sozialen Diskont-Rate. Deren Aktualisierung basiert nun auf einer breiten Palette von Expertenempfehlungen zur Generationengerechtigkeit.





