Text: Ralf Stork
Die Deutschen haben eine besonders innige Beziehung zum Wald: Er war Schauplatz der glorifizierten Varusschlacht; berühmte Märchen wie „Hänsel und Gretel“, „Schneewittchen“ und „Rotkäppchen“ sind dort verortet. Für viele ist der Wald heute ein wichtiger Sehnsuchts- und Erholungsort. Was dabei ein bisschen untergeht: Der Wald liefert den Rohstoff für einen großen, wichtigen Wirtschaftszweig. Mehr als eine Million Menschen arbeitet in Betrieben, die im engeren oder weiteren Sinne auf Holz angewiesen sind. Nach Angaben des Thünen-Instituts für Waldwirtschaft erwirtschaften sie einen Umsatz von rund 180 Milliarden Euro im Jahr. Neben
der klassischen Forstwirtschaft, der Säge- und der Möbelindustrie gehören auch Zimmerleute, Bautischler und Parkettleger dazu. Aber auch Papierhersteller, Druckereien und Verlage. Die Nachfrage ist groß: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2023 in Deutschland 70,6 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen.
Das Baugewerbe braucht am meisten Holz
Schon unsere Urururahnen vor mehreren Hunderttausend Jahren machten Feuer, um sich warm zu halten, und fertigten Keulen, Knüppel und Speere für die Jagd oder zur Selbstverteidigung. Seit mehr als 10.000 Jahren wird Holz im Bau verwendet, bis heute ist das Baugewerbe einer der wichtigsten Abnehmer für Holz: 2023 waren es 39,1 Millionen Kubikmeter (55,4 Prozent) sogenanntes Stammholz, das in der Säge- und Furnierindustrie weiterverarbeitet wurde. Man braucht es etwa für Dachstühle, Betonverschalungen oder Holzfassaden, für Möbel, Fußbodenbeläge und Paletten. 14,1 Millionen Kubikmeter (20 Prozent) waren sogenanntes Industrieholz, das vor allem zur Herstellung von Papier verwendet wird.
Weitere 20 Prozent (14 Millionen Kubikmeter) Energieholz wurden zu Heizzwecken von Privathaushalten oder in Biomassekraftwerken verbrannt. Nach Angaben des Bundesumweltamtes ist die tatsächliche Menge Holz, die verfeuert wird, aber erheblich größer. 2020 lag sie bei 60 Millionen Kubikmetern. Die Diskrepanz kommt zustande, weil auch große Mengen Altholz und Sägeresthölzer, die bei der Einschlagstatistik nicht erfasst werden, energetisch genutzt werden. 1990 waren das rund 20 Millionen Kubikmeter. Der Anteil hat sich seither also verdreifacht. Der rasante Anstieg ist darauf zurückzuführen, dass das Verbrennen in Holzheizkraftwerken als nachhaltig gilt und deshalb von Bund und EU seit den 90er Jahren gefördert wird. Holzheizkraftwerke sind nur ein Beispiel für eine Nutzung, die zugenommen hat oder zunehmen wird.





