Stehmähne, schwarze Strümpfe und ein sandfarbener Rücken – das sind die Markenzeichen des berühmten Przewalski-Pferds. Die letzten echten Wildpferde der Welt streiften noch bis vor etwa 90 Jahren durch die Steppen der Mongolei und Chinas. Am Ende blieb nur noch eine einzige in Gefangenschaft lebende Gruppe übrig, die von etwa einem Dutzend Wildfängen und domestizierten Pferden abstammte. Seit diesem Tiefpunkt ging es mit den charismatischen Huftieren wieder bergauf: Überall auf der Welt entwickelten Zoos Nachzuchtprogramme – heute umfasst der Bestand über 2000 Individuen. Davon leben dank Auswilderungsaktionen wieder etwa ein Viertel frei in Reservaten.
Doch welche Spuren hat das Beinahe-Aussterben und die Obhut des Menschen in den Przewalski-Pferden hinterlassen und in welchem Verhältnis stehen die Tiere eigentlich zum Hauspferd? Diesen Fragen sind nun die Forscher um Ludovic Orlando von der Universität Kopenhagen durch genetische Untersuchungen nachgegangen. “Neuartig an unserem Forschungsansatz ist, dass wir nicht nur die gegenwärtige, sondern auch die einstige genetische Vielfalt der Przewalski-Pferde mit Hilfe von Museumsexemplaren untersucht haben”, erklärt Orlando. “Dadurch konnten wir den Einfluss von mehr als 100 Jahren Gefangenschaft auf den Genpool der ehemals stark bedrohten Tiere ermitteln.”
Bis zu 30 Prozent Hauspferd
Das internationale Forscherteam sequenzierte das komplette Erbgut von elf Przewalski-Pferden, einschließlich aller Abstammungslinien. Fünf Pferdeproben stammten von mehr als 100 Jahre alte Museumsexemplaren. Die erhaltenen genomischen Daten verglichen die Forscher anschließend mit dem Erbgut von 28 Hauspferden. Ergebnis: “Wir konnten zeigen, dass Hauspferde bereits zu Beginn der Gefangenschaft der Wildpferde – während des frühen 20. Jahrhunderts – entscheidend zu einigen Linien des Stammbaums der Przewalski-Pferde beigetragen haben”, sagt Orlando. “Das bedeutet, dass nicht alle überlebenden Przewalski-Linien den Wildpferde-Genpool in gleichem Maße vertreten”, so der Wissenschaftler. In den extremen Fällen stammt bis zu über 30 Prozent des Erbguts von der Przewalski-Pferden vom Hauspferd.
Außerdem zeichneten sich Effekte der extrem begrenzten Individuenzahl ab: Dies macht sich in Form einer geringeren genetischen Diversität durch die Inzucht bemerkbar. Die aktuellen Informationen können nun bei Zuchtprogrammen wichtig sein. Die Forscher sehen die Lage unterm Strich auch nicht all zu düster: “Obwohl Przewalski-Pferde einen extremen demografischen Zusammenbruch hinter sich haben, scheint sich die Population zu erholen und ist immer noch genetisch divers”, sagt Orlando. “Damit besteht Hoffnung für (andere) gefährdete Populationen, die mit ähnlichen demografischen Problemen zu kämpfen haben.”





