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Wie sich Wildkatzen an menschliche Einflüsse anpassen
Biologie

Wie sich Wildkatzen an menschliche Einflüsse anpassen

Europäische Wildkatzen sind eigentlich scheue Waldbewohner, doch ihre Lebensräume verändern sich zunehmend, zum Beispiel durch die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen. Forschende haben nun untersucht, wie stark menschliche Eingriffe in Landschaft und Umwelt den Alltag und das Beutespektrum der Tiere beeinflussen.
Autor
Carolin Malmendier
27. Februar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) steht in Deutschland seit 1935 unter Schutz. In den vergangenen Jahrzehnten breitete sich diese wilde Verwandte unserer Hauskatzen hierzulande und in Europa wieder aus. Dabei kommen die dämmerungsaktiven Tiere, die als ortstreue Einzelgänger gelten und dem Menschen normalerweise aus dem Weg gehen, immer häufiger in Kontakt mit vom Menschen geprägten Umgebungen wie Siedlungen, Straßen oder Feldern.

„Ungestörte Waldgebiete als ideale Lebensräume der Wildkatzen werden kleiner, und das Risiko ist groß, dass sie auf unseren Straßen überfahren werden“, berichtet Erstautor Chris Baumann von der Universität Tübingen. Eine Bedrohung für die Wildkatzen stellen auch streunende, verwilderte oder freilaufende Hauskatzen (Felis catus) dar, die Krankheiten übertragen können oder durch Artkreuzung ihren genetischen Bestand beeinflussen.

Spurensuche im Fell der Wildkatzen

Wie stark und langfristig sich diese Entwicklungen auf die Lebensweise und das Verhalten der Wildkatzen auswirken, ist jedoch schwer zu erfassen. Denn die Tiere sind scheu, leben zurückgezogen und lassen sich nur selten direkt beobachten. Baumann und sein Team haben deshalb einen indirekten Ansatz gewählt: Sie sammelten Fellbüschel und Haare der Wildkatzen, um sie Isotopenanalysen zu unterziehen. Die Fellproben stammten zum Teil aus einer früheren Studie zu Wildkatzen im Taunus. Zusätzlich nutzte das Team archivierte Haarproben von Wildkatzen aus Thüringen, die über viele Jahre gesammelt worden waren.

Durch die Analyse der in den Katzenhaaren gespeicherten Isotope konnten die Forschenden Informationen über die Ernährung der Tiere gewinnen. Denn die Verhältnisse der Isotope von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel sind typisch für bestimmte Nahrungsquellen und Regionen. Dadurch konnten Baumann und sein Team
ermitteln, an welche Umweltbedingungen sich die Wildkatzen anpasst haben, wo sie sich aufhalten und mit welchen Arten sie um Ressourcen konkurrieren. Die Langzeitproben aus Thüringen ermöglichten es zusätzlich, Veränderungen in der Ernährungsweise über einen längeren Zeitraum hinweg zu verfolgen.

Enge Nische in ungestörtem Wald, breite in menschlich geprägten Landschaften

Die Auswertungen ergaben: Wildkatzen in typischen Waldlebensräumen wie im Taunus weisen sehr ähnliche Isotopenwerte auf. Das deutet auf eine stabile und vergleichsweise enge ökologische Nische hin, wie die Forschenden erklären. Demnach jagen diese Wildkatzen vornehmlich waldlebende Kleinsäuger. Im Gegensatz dazu besetzen Hauskatzen und Hybride von Hauskatzen und Wildkatzen eine breitere ökologische Nische und ernähren sich häufiger von Beutetieren aus vom Menschen geprägten Umgebungen.

Die Langzeitdaten aus Thüringen zeigen zudem eine Veränderung im Jagdverhalten der Wildatzen. Besonders in den im Sommer gewachsenen Fellhaaren finden sich zunehmend Isotopenwerte, die auf Beutetiere aus landwirtschaftlich genutzten Flächen hinweisen, wie Baumann und sein Team feststellten. Die Wildkatzen jagen demnach inzwischen häufiger auch außerhalb ihrer angestammten Waldlebensraums in Feldern und Äckern. „Dieses Ergebnis stimmt mit jüngsten ökologischen Studien überein, nach denen europäische Wildkatzen zunehmend landwirtschaftlich dominierten Landschaften nutzen“, berichten die Biologen.

Das Team sieht diese Verhaltensänderungen der Wildkatzen als Reaktion auf den Druck durch menschliche Einflüsse wie die Zerstückelung oder Zerstörung von Waldgebieten und die Intensivierung der Landwirtschaft.

Quelle: Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Fachartikel: PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0343705

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