Die südostasiatischen Schmuckbaumnattern, eine Familie fliegender Schlangen, scheint gegen alle Gesetze der Aerodynamik zu verstoßen. Die Schlangen besitzen weder Flügel noch Tragflächen, um in der Luft zu bleiben. Statt dessen gewinnen sie durch schlängelnde Bewegungen Auftrieb, berichtet John Socha von der University of Chicago im Fachblatt Nature (Bd. 418, S. 603).
Socha ließ Exemplare der Paradiesbaumnatter (Chrysopelea paradisi) im Zoo von Singapur von einem zehn Meter hohen Turm gleiten und nahm den Flug mit zwei Videokameras auf. Er stellte fest, das die Schlangen ihren Körper in eine S-Form brachten und ähnlich wie am Boden etwa einmal pro Sekunde hin und her schlängelten.
Die Bewegungen ihres Körpers ermöglichte es den Schlangen auch, ihre Flugrichtung zu kontrollieren. Wenn sie um die Kurve fliegen wollen, neigen sie ihren Körper nicht wie andere Flugwesen zur Seite, sondern führen spezielle Bewegungen mit dem Schwanz durch.
Trotz ihrer merkwürdigen Flugtechnik können Schmuckbaumnattern etwa genauso weit gleiten wie beispielsweise Flughörnchen oder fliegende Eidechsen: Beim Sprung vom Zehn-Meter-Turm kamen die Paradiesbaumnattern im Schnitt 37 Meter weit.
Außer den Gleitbewegungen hilft es den Schlangen noch, dass sie ihre Körperform verändern. Sie saugen Luft in den Magen, drücken ihre Rippen nach außen und werden dadurch flacher. Dass die Schlange während der Schlängelbewegungen die veränderte Körperform beibehält, sei im Tierreich einzigartig, so Socha: “Das erfordert eine spezialisierte neuromuskuläre Kontrolle.”
Ute Kehse





