Ratten genießen in unserer Gesellschaft zwar nicht den besten Ruf, doch in ihnen schlummern einige besondere Talente – allen voran ihr feiner Geruchssinn. Mit ihm können sie uns Menschen ebenso große Dienste erweisen wie zum Beispiel Hunde. So wurden afrikanische Riesenhamsterratten (Cricetomys) bereits erfolgreich darauf trainiert, Tuberkulose und vergrabene Landminen zu erschnüffeln. Die tansanische Organisation APOPO hat nun außerdem erprobt, ob Riesenhamsterratten mit ihrem feinen Näschen auch dem illegalen Wildtierhandel Einhalt gebieten könnten.
Ratten in der Zollausbildung
Die Idee: Die Nagetiere sollen in Gepäck und Containern nach Produkten von bedrohten Tierarten suchen, zum Beispiel nach Elfenbein oder Pangolin-Schuppen, und so Wilderer entlarven. „Bestehende Screening-Instrumente sind teuer und zeitaufwendig, und es besteht ein dringender Bedarf, die Frachtkontrolle zu verbessern“, erklärt APOPO-Forscherin Isabelle Szott. „Die Ratten von APOPO sind kosteneffiziente Geruchserkennungs-Werkzeuge. Sie können leicht in enge Räume wie Fracht in gepackten Schiffscontainern eindringen oder hochgehoben werden, um die Belüftungssysteme von versiegelten Containern zu überprüfen.“
Ob das auch in der Praxis funktioniert, haben Szott und ihr Team nun mit elf afrikanischen Riesenhamsterratten getestet. Betty, Teddy, Marty und ihre Artgenossen lernten dafür zunächst, ihre Nasen mehrere Sekunden lang in ein Loch zu halten, in dem der zu lernende Zielgeruch platziert war. In einem nächsten Schritt sollten die Ratten dann den Geruch von Elfenbein und Co. von anderen Gerüchen unterscheiden lernen – zum Beispiel von dem von Kaffeebohnen und Waschpulver. Damit versuchen Wilderer in der Praxis häufig, den Geruch ihrer Ware zu überdecken. Zuletzt überprüften Szott und ihre Kollegen noch, wie lange sich die Nagetiere an die antrainierten Gerüche erinnern können.
Der Grundstein ist gelegt
Das Ergebnis: Die Ratten konnten selbst Gerüche, die sie acht Monate lang nicht mehr gerochen hatten, zuverlässig wiedererkennen. Die Forschenden nehmen daher an, dass die kognitive Erinnerungsleistung der Nagetiere der von Hunden ähnelt. Bei ihrer „Abschlussprüfung“ waren acht der elf Ratten schließlich dazu in der Lage, vier häufig geschmuggelte Wildtierarten unter 146 anderen Substanzen zu identifizieren.

Der tatsächliche Einsatz der vierbeinigen Zollbeamten rückt damit in greifbare Nähe. Ihre Dienstkleidung steht auch schon fest: Schutzwesten im Miniformat, an deren Brust sich ein kleiner Ball befindet. Wenn die Ratten gefährdete Wildtiere erschnüffeln, können sie an diesem Ball ziehen, woraufhin ein Piepton erklingt und die Betreuer alarmiert. Bevor die Ratten ihren offiziellen Dienst antreten, müssen sie ihre Fähigkeiten allerdings noch unter realen Bedingungen erproben statt nur im Labor.





