Trotzdem die Frage: Wie gut sind Voraussagen von Klimamodellen? In gleich drei neuen Studien in Nature Climate Change zeigen wir, dass die Antwort je nach Fragestellung ganz anders ausfällt.
Studie 1: Robuste Voraussagen von Hitzestress
Erstaunlicherweise sind es gerade Voraussagen zur gesundheitlichen Belastung von Hitzewellen (Hitzestress), die robust und relativ sicher sind. Der Hitzestress ist durch die Temperatur, aber auch durch die Feuchte bestimmt. Sicher kennen Sie das: Trockene Hitze ist leichter zu ertragen als feuchte Hitze.
Die Modelle, die eine höhere Feuchte berechnen, zeigen weniger Erwärmung, diejenigen mit weniger Feuchte zeigen mehr Erwärmung. Kombiniert man die beiden Grössen, zeigen alle Modelle eine ähnliche Zunahme des Hitzestresses. Man erhält daher eine sicherere Voraussage für den Hitzestress als für die einzelnen Komponenten Temperatur und Feuchte. Um das Risiko für Hitzeschlag während Hitzewellen zu bestimmen, sind die Modelle also durchaus tauglich.
Studie 2: Unsicherheiten sind nicht kleiner geworden
In anderen Bereichen sieht es schwieriger aus. In den neusten Klimamodellen sind die Vorhersagen von Temperatur und Niederschlag sehr ähnlich wie in den älteren Modellen. Dies ist positiv zu werten. Aber die Unsicherheiten sind nicht kleiner geworden. Trotz fünf Jahre Entwicklungsarbeit und grösseren Computern ist die Unsicherheit für lokale Voraussagen also nicht geschrumpft. Aus der Perspektive der Klimaanpassung ist man versucht zu sagen, dass es keinen Fortschritt gegeben hat. Dies ist eine zu enge Sichtweise: Die neuen Modelle beschreiben mehr Prozesse und dies in realistischerer Weise. Wir sind also sicherer, dass wir alle wichtigen Prozesse berücksichtigt haben, und dass die Voraussagen robust sind. Die grossen Züge der Voraussagen zur Klimaänderung bestätigen sich also einmal mehr. Dieses Wissen genügt, um zu entscheiden, dass es sowohl Massnahmen gegen als auch Anpassungsstrategien an die Klimaerwärmung braucht. Die perfekte Voraussage – um Anpassungsstrategien bis ins kleinste Detail zu optimieren – wird jedoch auch in ein paar Jahren nicht Realität sein.
Studie 3: Das Wetter bleibt zufällig
Währenddessen die Unsicherheit in den Modellen mit Hilfe weiterer Forschung im Prinzip beseitigt werden kann, bleibt die natürliche Variabilität nicht voraussagbar. Der menschgemachte langfristige Klimatrend kann potenziell bestimmt werden, wird aber überlagert vom Wetter: Die gleichen Zirkulationsmuster in der Atmosphäre, die einmal einen Winter ohne Schnee und einmal einen Lawinenwinter verursachen, bringen auch eine Zufallskomponente über die nächsten Jahrzehnte. Diese Zufallskomponente ist besonders in den mittleren Breiten ausgeprägt, in den Tropen hingegen viel kleiner. Der Wunsch nach und damit die Tendenz zu Voraussagen für kürzere Zeiträume (einige Jahrzehnte statt Jahrhunderte) und für lokale Skalen ist verständlich, wenn es darum geht, Anpassungsstrategien zu entwickeln. Man muss jedoch beachten, dass die Zufallskomponente – relativ zum Trend gesehen – bei Voraussagen für die nächsten Jahrzehnte grösser ist als bei solchen für das Jahr 2100.





Zum Autor