Für Zugvögel ist relativ gut untersucht, wo die verschiedenen Arten überwintern, wann sie in ihr Brutgebiet zurückkehren und auch, welchen Einfluss das Timing der Rückkehr auf ihren Fortpflanzungserfolg hat. So finden Zugvögel, die früh im Brutgebiet ankommen, beispielsweise eher einen Partner und ein gutes Territorium zum Brüten. Zu früh aufzubrechen kann jedoch schnell lebensgefährlich werden, wenn ein Kälteeinbruch raue, winterliche Bedingungen bringt.
Standvögel kaum untersucht
Doch wie sieht es mit den Standvögeln aus – den gefiederten Überwinterern in unseren Gefilden? Bisher gibt es dazu kaum Daten, wie Carol Gilsenan vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und ihre Kollegen erklären. “Über den Aufenthaltsort der Standvögel außerhalb der Brutsaison und ihre Rückkehrzeiten ist kaum etwas bekannt – vielleicht, weil man annahm, dass die meisten Tiere das Gebiet ohnehin nicht verlassen.” Ob das stimmt, haben Gilsenan und ihre Kollegen nun am Beispiel der Blaumeisen überprüft. Sie ist zwar in Skandinavien und anderen Regionen in ihrem nördlichen Verbreitungsgebiet als Teilzieher, im Rest Europas und auch in Deutschland gilt sie als Standvogel.
Für ihre Studie haben die Forscher drei Jahre lang die Blaumeisen in einem bewaldeten Brutgebiet in Bayern mithilfe von Kameras und tragbaren ID-Chips überwacht. Durch Lesegeräte in den Nistkästen und an den Futterautomaten konnten sie mitverfolgen, wann die weiblichen und männlichen Tiere sich in diesem Gebiet aufhielten und wann sie zu Beginn der Brutzeit eintrafen. Zudem untersuchten die Wissenschaftler mithilfe der Beobachtungsdaten und ergänzenden DNA-Tests, wie hoch der Fortpflanzungserfolg der rund 60 bis 170 ortsansässigen Meisen war.
Auch Blaumeisen ziehen im Winter weg
Die Auswertungen ergaben, dass auch die Blaumeisen keineswegs das ganze Jahr hindurch ortstreu waren. Stattdessen verließen viele von ihnen nach Ende der Brutzeit Ende Juni das Areal und wurden mehrere Monate lang nicht mehr an den Nistkästen und Futterautomaten gesichtet, wie die Forscher berichten. Erst im Herbst zwischen Ende August und Oktober kehrten die ersten Blaumeisen wieder an die Futterautomaten oder Nistboxen zurück, ein weiterer Schwung Vögel traf dann zwischen Januar und März im Brutgebiet ein. “Durch diese Daten gehen wir davon aus, dass einige Vögel wirkliche Standvögel gewesen sind, die auch den Winter im Brutgebiet verbracht haben, während andere das Gebiet nach dem Brüten verlassen haben”, sagt Gilsenan.
Aus früheren Studien an Kohlmeisen und Blaumeisen ist bereits bekannt, dass diese Vögel außerhalb der Brutsaison oft kurzlebige, wechselnde Schwärme bilden, die durchaus mehrere Kilometer weit fliegen. “Von im Wald brütenden Meisen nimmt man zudem an, dass sie ihr Brutgebiet verlassen, um die Wintermonate in Städten und Dörfern zu verbringen”, erklären die Wissenschaftler. Dort finden die Vögel mehr Nahrung und Schutz vor den winterlichen Wetterbedingungen. Noch ist zwar nicht bekannt, wo sich die Blaumeisen der aktuellen Studie außerhalb der Brutzeit aufgehalten haben. Die Forscher halten aber durchaus für wahrscheinlich, dass nur einige Tiere vor Ort geblieben sind.





