Rund 11,4 Millionen Hektar sind in Deutschland von Wald bedeckt – das entspricht einem Drittel des Landes. Da verwundert es nicht, dass die Frage danach, wie diese großen Waldflächen genutzt werden sollen, immer wieder zu Konflikten führt. So können zum Beispiel die Vorstellungen von Spaziergängern, Förstern, Jägern und Umweltschützern erheblich auseinandergehen. Im schlimmsten Fall verhärten sich die unterschiedlichen Positionen sogar so sehr, dass am Ende der Wald der Leidtragende der Streitereien ist.
„Oft kommt es zu Frustrationen auf allen Seiten, die dann das Engagement der verschiedenen Gruppen für den Wald einschränken. Ein Ergebnis, das eigentlich keine der beteiligten Gruppen anstrebt, wollen doch alle in erster Linie den nächsten Generationen einen widerstandsfähigen Wald übergeben“, erklärt Michael Kreß-Ludwig vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE).
Streit statt Waldidylle
In Zukunft könnten Konflikte um die Waldnutzung sogar noch weiter zunehmen, wie die Forschenden des ISOE schätzen. Denn der Klimawandel setzt unseren Wäldern in Form von Trockenperioden und Hitzestress stark zu und macht sie anfälliger für Waldbrände, Krankheiten und Schädlinge. In zahlreichen Regionen, vor allem in den Höhenlagen der deutschen Mittelgebirge, finden sich deshalb mittlerweile ausgedehnte Schadflächen, in denen viele Bäume abgestorben sind. Doch was soll mit solchen Gebieten geschehen? Sollen tote Bäume entfernt werden oder sollen sie an Ort und Stelle bleiben? Sollen die Schadflächen nachbepflanzt werden oder überlässt man sie sich selbst?
Um Fragen wie diese zu klären und Konflikte dazu in Zukunft konstruktiver beizulegen, haben Forschende um Anna Brietzke vom ISOE nun Methoden aus der Mediation unter einer sozial-ökologischen Perspektive kombiniert. Das Ziel in den dafür vorgesehenen Formaten wie etwa Runden Tischen ist es zunächst, die Positionen aller Teilnehmenden besser zu verstehen. In anschließenden Diskussionen sollen die Konflikte dann möglichst einvernehmlich gelöst werden. „Es geht darum, dass die Konfliktparteien ihre unterschiedlichen Perspektiven in einem moderierten Prozess teilen und einander verstehen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass alle gemeinsam Lösungswege erarbeiten können, die schließlich alle Akteursgruppen mittragen“, erklärt Kreß-Ludwig.
Mehr Verständnis füreinander
Wie das Team berichtet, ist es mit dieser Methode bereits gelungen, im Rahmen zweier Fallstudien in deutschen Mittelgebirgen die zuvor konfrontativen Positionen aufzuweichen und gemeinsam individuelle Lösungsoptionen zu entwerfen. „Die Beteiligten haben Verständnis für die Positionen der anderen entwickelt und gemeinsam an Ideen für die Weiterentwicklung der Wälder gearbeitet. Die Mediation hat zu besseren und schnelleren Entscheidungen geführt“, sagt Seniorautorin Deike Lüdtke.





