Bakterien aus Kängurumägen sollen den Methanausstoß von Rind und Schaf verringern, der bei der Verdauung im Vormagen anfällt. Kängurus geben im Gegensatz zu den meisten landwirtschaftlichen Nutztieren beim Rülpsen kein klimaschädigendes Methan ab. Diese klimafreundliche Verdauung haben sie Mikroben im Magen zu verdanken, die Wissenschaftler aus Australien und Kanada nun erstmals untersucht haben. Sollte es gelingen, diese Bakterien auf Rind- und Schafsmägen zu übertragen, könnten sie dort die Produktion des Treibhausgases reduzieren, hoffen die Forscher um Athol Klieve vom Department of Primary Industries and Fisheries in Queensland.
Der Kängurumagen ist ähnlich aufgebaut wie der Magen von Schaf und Rind: Im Vormagen, auch Pansen genannt, wird das Futter von Gär-Bakterien zersetzt. Bei Schaf und Kuh fällt dabei Methan an, das die Nutztiere aufstoßen und an die Atmosphäre freigeben. Pro Jahr geben die Wiederkäuer auf diesem Weg an die 60 Millionen Tonnen des besonders klimawirksamen Methans ab. Nicht so das Känguru: Es lässt seine Nahrung ebenfalls von Mikroben im Vormagen zersetzen, doch stößt es dabei kein Methan aus.
Klieve vermutet, dass die Bakterien im Kängurumagen Acetat anstatt von Methan produzieren. Acetat ist nicht gasförmig und kann den Mikroben als weitere Energiequelle dienen. Anstatt also Methan in die Atmosphäre zu verschleudern, verwenden die Bakterien das Endprodukt der Gärung weiter und maximieren so für ihr Wirtstier den Gewinn, den es aus der Nahrung zieht. Von den 40 Bakterienvarianten, die die Forscher aus Kängurumägen isolierten, können sie bisher 20 keinen bekannten Arten zuordnen. Sie vermuten, dass mindestens einige dieser Mikroben bei der Gärung Acetat bilden.
Nun hoffen die Wissenschaftler, acetatbildende Bakterien aus dem Kängurumagen zu isolieren und auf Schafs- und Rindermägen zu übertragen, so dass sie dort die Methanproduktion vermindern. Derzeit züchten sie zu diesem Zweck Känguru-Bakterien in einem künstlichen Magen. Allerdings räumen die Forscher ein, dass sie noch einige Jahre der Forschung vor sich haben, bevor sie die passenden Bakterien ausgesucht und getestet haben.
Wenn es soweit ist, sollen die Mikroben den Rindern nicht nur das Rülpsen abgewöhnen, sondern ihnen auch die Verdauung widerspenstiger Pflanzen erleichtern. Die Bakterien im Kängurumagen hätten sich schließlich in Millionen von Jahren auf das Zersetzen der harschen Vegetation in Australien spezialisiert und seien den Bakterien in Rinds- und Schafsmägen deshalb weit voraus.
Athol Klieve ( Department of Primary Industries and Fisheries, Queensland) et al.: Letters in Applied Microbiology, Bd. 41, S. 327 ddp/wissenschaft.de ? Christina Schallenberg





