Vor vielen Jahrtausenden entwickelte sich eine erstaunliche Beziehung über die Artgrenzen hinweg: Menschen begannen sich immer intensiver mit Wölfen anzufreunden, bis eine feste Partnerschaft entstand. Anschließend passte der Mensch die Wildform immer mehr seinen Wünschen an: Durch Zuchtauswahl entwickelte sich der Wolf (Canis lupus) schließlich zum Haushund (Canis familiaris). Dabei veränderte sich nicht nur das Aussehen der Tiere – auch Verhaltens-Veranlagungen wurden durch den Domestikationsprozess und die Entwicklung spezieller Rassen geprägt, wie Studien bereits verdeutlicht haben.
Die Forscher um Fanni Lehoczki von der Eötvös-Loránd-Universität Budapest haben sich dabei nun mit einem speziellen Aspekt beschäftigt: dem Heulen. Dabei handelt es sich bekanntlich um ein wichtiges Kommunikationselement der Wölfe. Sie verwenden die charakteristisch langgezogenen Laute für die weiträumige Verständigung mit Rudelmitgliedern sowie um sich Fremden gegenüber bemerkbar zu machen. Wenn ein Wolf Artgenossen heulen hört, reagiert er in den meisten Fällen auch selbst mit dieser Lautäußerung. Klar ist, dass auch Haushunde noch heulen können. Sie scheinen teils ebenfalls instinktiv auf bestimmte Stimulationen mit diesen Lautäußerungen zu reagieren. Manche beginnen beispielsweise beim Klang von Musik oder Sirenen zu heulen. Bei der Neigung zum Heulen scheint es allerdings individuelle und möglicherweise auch rassespezifische Unterschiede zu geben. Doch bisher war dies wissenschaftlich kaum belegt.
Alte und moderne Rassen im Vergleich
Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher nun untersucht, inwieweit die Merkmale einer Rasse, sowie Alter und Geschlecht von Hunden beeinflussen, wie sie auf Wolfsgeheul reagieren. An den Tests nahmen 68 in Familien gehaltene Hunde sowie ihre Bezugspersonen teil. Es handelte sich dabei um Exemplare aus 28 unterschiedlichen Hunderassen. Die Forscher ordneten diesen Rassen anhand ihrer Zuchtgeschichte einen jeweiligen Grad der Nähe zum Wolf zu – einen sogenannten “Wurzelabstand” zu ihren wilden Vorfahren. Die Experimente fanden in einem Versuchsraum statt, in dem sich das jeweilige Versuchstier mit seiner Bezugsperson befand. Dort ertönte dann Wolfsgeheul und die Forscher erfasste durch Ton- und Videoaufnahmen die Reaktion des tierischen Probanden.
Wie sie berichten, stellten sie zunächst grundlegend fest: Bei den Hunden, die jünger als fünf Jahre waren, gab es noch keine signifikanten Unterschiede bei den Heulreaktionen zwischen den Rassen. Dies passt ihnen zufolge zu Hinweisen, wonach sich die Neigung zum Heulen auch bei Wölfen erst mit zunehmendem Alter ausprägt. Bei den reiferen Tieren zeichneten sich dann jedoch deutliche Unterschiede ab: “Die Tiere aus den älteren Rassen neigten eher dazu, mit ihrem eigenen Heulen auf das Wolfsheulen zu antworten. Im Gegensatz dazu reagierten Rassen, die weiter entfernt mit Wölfen verwandt sind, typischerweise mit Bellen anstelle von Heulen“, berichtet Lehoczki. Was weitere Auffälligkeiten betrifft, zeichnete sich ab: „Rassen, die mehr heulen, zeigen in dieser Situation auch mehr Verhaltensweisen, in denen sich Stress widerspiegelt“, sagt Lehoczki.





