Nicht nur der Mensch gilt als soziales Wesen – auch Primaten wie Schimpansen und Gorillas leben in größeren Gruppen und führen soziale Bindungen. Ebenso bilden unter anderem auch Meerestiere wie Delfine, Wale und Haie komplexe Sozialstrukturen und arbeiten zusammen. Und sogar Vögel wie die diebischen Elstern unterstützen ihre Artgenossen. Grund dafür ist, dass die Individuen in der Gemeinschaft häufig eine größere Überlebenschance haben.
Wie sieht es bei Giraffen aus?
Ob auch Giraffenweibchen von ihrem Sozialverhalten und dem Leben in Gruppen profitieren, haben Forscher um Monica Bond von der Universität Zürich (UZH) in einer Langzeitstudie untersucht. Sie wollten dabei auch ergründen, ob sich das soziale Verhalten stärker auf die Überlebenschancen der Giraffen auswirkt als die natürliche Umgebung und der Mensch als möglicher Störfaktor. Dafür dokumentierte das Team fünf Jahre lang das Sozialverhalten von mehr als 500 wildlebenden Massai-Giraffenweibchen (Giraffa camelopardalis tippelskirchi) in Tansania, die in mehreren sozialen Gemeinschaften mit jeweils etwa 60 bis 90 erwachsenen Weibchen zusammenlebten. Mit Hilfe von Algorithmen zur Analyse der Tiergruppen prüften die Forschenden die individuellen und gemeinschaftliche Einflüsse auf das Überleben der Tiere.
Es zeigte sich: Tatsächlich überlebten Giraffen in größeren Gruppen von etwa 50 Tieren länger als sozial isolierte Weibchen. Die Forscher konnten beobachten, dass sich die Giraffen im Verlauf eines Tages immer wieder zu anderen Gruppen zusammenschlossen. Dabei hielten sie allerdings spezifische Freundschaften über längere Zeit aufrecht. „Das Zusammenleben mit einer größeren Anzahl Weibchen geht einher mit einer erhöhten Überlebensrate von weiblichen Giraffen, selbst wenn sie ihre Gruppen häufig wechseln“, erklärt Bond. „Dabei ist diese Geselligkeit der Tiere wichtiger als Umweltfaktoren wie die Vegetation oder die Nähe zu menschlichen Siedlungen“, ergänzt die Forscherin. Zwar hatten Giraffenweibchen, die in Stadtnähe lebten, scheinbar durch die Wilderei eine etwas geringere Überlebensrate. Dennoch waren die Hauptursachen für die Sterblichkeit der Tiere sozial beeinflusste Faktoren wie Krankheiten, Stress oder Unterernährung.
Für Nahrungssuche, Schutz und Kooperation
Aber wie genau mindert der Sozialkontakt diese Überlebensrisikos? „Soziale Beziehungen können die Effizienz der Nahrungssuche verbessern“, erklärt Bonds Kollegin Barbara König. Dafür schließen sich Giraffenweibchen vermutlich mit einer möglichst optimalen Anzahl von mindestens drei anderen Weibchen zusammen, um untereinander Informationen über die besten Futterquellen auszutauschen. Zudem hilft der Zusammenschluss mit anderen Weibchen, die Konkurrenz mit Artgenossen, drohende Gefahr durch Raubtiere, Krankheitsrisiken und psychosozialen Stress zu bewältigen, so König weiter. Andere Vorteile des Gruppenlebens können sein, dass die Weibchen weniger durch paarungsbereite Männchen belästigt werden, dass sie ihre Jungen gemeinsam betreuen und beschützen, oder dass schon die Anwesenheit vertrauter Weibchen Stress vermindert.





