In Deutschland werden laut der Naturschutzorganisation BUND jährlich rund eine Milliarde Beet- und Balkonpflanzen verkauft. Die Pflanzenbranche machte damit 2021 einen Umsatz von 10,3 Milliarden Euro. Doch viele dieser Pflanzen werden unter ökologisch fragwürdigen Bedingungen produziert, was sie nicht wirklich nachhaltig macht.
Lange Wege und globale Abhängigkeiten
Blumen und Topfpflanzen werden oft aus Ländern des globalen Südens nach Deutschland importiert, weil das Klima hier für den ganzjährigen Anbau zu kühl ist. Alternativ erfolgt die Produktion in beheizten Gewächshäusern in Europa. 85 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen kommen aus den Niederlanden. Zuvor werden die Pflanzen aber oft in Kolumbien, Ecuador oder Kenia herangezogen.
Auch bei Topfpflanzen verwenden europäische Hersteller oft Stecklinge aus dem globalen Süden. Beim Transport der Pflanzen werden Flugzeuge und Kühlsysteme genutzt und so große Mengen an CO₂ freigesetzt. Dennoch zeigen Studien, dass die Beheizung von Gewächshäusern in Europa noch größere Mengen an Emissionen verursacht. Besser wäre, ausschließlich mit erneuerbaren Energien zu heizen.
Viele Pflanzen enthalten giftige Chemikalien
Neben dem hohen CO₂‑Austoß ist der Import aus fernen Ländern auch aus anderen Gründen problematisch. So werden für die Produktion von Topfpflanzen und Blumen zum Beispiel große Mengen an Wasser benötigt. Außerdem werden oft Pestizide verwendet, die in der EU nicht zugelassen sind. Dazu zählen Insektizide, die große Mengen an Insekten töten, Fungizide, die Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Rostpilze bekämpfen, und Herbizide, die unerwünschte Pflanzen zwischen den kultivierten Gewächsen vernichten. Einige Hersteller verwenden auch chemische Wirkstoffe, die dazu führen, dass die Pflanzen klein bleiben, aber trotzdem viele Blätter und Blüten bilden. Die Folgen für die Biodiversität sind gravierend, da viele Lebewesen durch den Pestizideinsatz Nahrung und Lebensraum verlieren. Besonders Insekten leiden weltweit unter dem Einsatz von Chemikalien und eintönigen Monokulturen.
Dazu kommt, dass lokale Arbeiter kaum gegen die gesundheitsschädlichen Chemikalien geschützt sind. Laut dem Pestizid-Aktionsnetzwerk vergiften sich jährlich 385 Millionen Menschen mit Pestiziden, 11.000 sterben jedes Jahr daran. Auch sonst sind die Arbeitsbedingungen im globalen Süden oft prekär: Viele Menschen bekommen nicht einmal den vor Ort geltenden Mindestlohn.
Am schlimmsten aber: Eigentlich dürften laut Pflanzenschutzgesetz gar keine Pflanzen in die EU importiert werden, die hier verbotene Pestizide enthalten. Das Verbot wird allerdings nur selten kontrolliert und Sanktionen sind kaum vorhanden. Die Pestizide werden in einigen Fällen sogar in Europa produziert und in Länder mit weniger strengen Regeln verkauft. Eine Untersuchung der Naturschutzorganisation BUND aus dem Jahr 2023 zeigte, dass von 22 als bienenfreundlich beworbenen Pflanzen 21 Pestizide enthielten. Einige davon waren schädlich für Menschen und Bienen.






