Für Erdmännchen ist die soziale Gruppe ihre Lebensversicherung. In ihren Kolonien haben sie eine ausgeklügelte Arbeitsteilung entwickelt, bei der die Gruppenmitglieder abwechselnd Wache halten, Nahrung suchen oder sich um Jungtiere kümmern. Bekannt war bereits, dass Erdmännchen zahlreiche verschiedene Warnrufe von sich geben können und so ihre Artgenossen auf unterschiedliche Gefahren beispielsweise durch Schlangen oder Greifvögel aufmerksam machen können. Andere Arten der Kommunikation zwischen den Individuen waren bislang allerdings noch wenig erforscht.
Ruf und Antwort oder Positionssignal
Ein Team um Vlad Demartsev von der Universität Konstanz hat nun eine Gruppe wildlebender Erdmännchen im Kalahari Research Centre in Südafrika belauscht. Dazu statteten sie die Tiere mit Halsbändern aus, die ihre Laute aufnahmen und zugleich per GPS ihre Position erfassten. Auf diese Weise konnte das Team genau nachvollziehen, welches Individuum wann welchen Ton von sich gab und wie die Artgenossen darauf reagierten.
Dabei identifizierten Demartsev und sein Team zwei besonders häufige Arten verschiedener Rufe: „Der erste Ruf, ein sogenannter ‘Kontakt Ruf’, ist wie ein Ruf-und-Antwort-Austausch zwischen den Tieren. Wenn ein Erdmännchen diesen Ruf ausstößt, ist es wahrscheinlich, dass ein Nachbar antwortet“, beschreibt Demartsev. „Der zweite Ruf hingegen, der als ‘kurzer Ton’ bezeichnet wird, verkündet ‘Ich bin hier’, erhält aber nicht unbedingt eine direkte Antwort von den Kommunikationspartnern.“
Unterschiedliche Funktionen
Beide Arten von Lautäußerungen sind den Forschenden zufolge wichtig für den sozialen Zusammenhalt der Gruppe. Die Kontaktrufe dienen dem individuellen Austausch, ähnlich wie bei uns ein Gespräch mit unseren Freunden oder Nachbarn. Besonders häufig beobachteten die Forschenden diese Art von Austausch auch mit Jungtieren, wobei oft erwachsene Tiere die Jungtiere „ansprachen“ und diese antworteten. Die Kontaktrufe waren mit Abstand die häufigsten in der Analyse: Von insgesamt rund 71.000 aufgezeichneten Lautäußerungen machen die Kontaktrufe mehr als 47.000 aus.
Die sogenannten kurzen Töne waren mit rund 15.000 die zweithäufigste Art von Rufen. Diese werden verstärkt in unübersichtlichen Situationen ausgestoßen. „Alle rufen fast zur gleichen Zeit und es gibt keine Struktur“, sagt Demartsev. Aus Sicht der Forschenden helfen diese Rufe wahrscheinlich dabei, dass kein Erdmännchen verloren geht. „Wenn Erdmännchen allein sind, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie von anderen Gruppen angegriffen oder belästigt werden. Im Allgemeinen bemühen sich Erdmännchen daher sehr, zusammen zu bleiben“, erklärt Demartsev. Zusätzlich nutzten die Erdmännchen diesen Laut auch, wenn sie sich sonnten. In diesem Fall könnte die „Ich bin hier“-Mitteilung womöglich implizieren: „Geh mir aus der Sonne!“





