Fossile DNA gibt Einblicke
Die Ergebnisse der Forscher basieren auf Analysen von DNA-Proben heutiger Wölfe sowie fossiler DNA aus Funden. Mit modernen genetischen Methoden ist es möglich, Jahrtausende alten Knochen und Zähnen noch Erbgut zu entlocken, das sich für Vergleiche eignet. Für ihre Studie entschlüsselten die Forscher 105 mitochondrielle Genome von gegenwärtigen und prähistorischen Wölfen aus dem gesamten Verbreitungsgebiet der Art. Mitochondrien sind Zellorganellen, die eine eigene, vom Zellkern unabhängige Erbsubstanz enthalten. Außerdem entwickelten die Forscher im Rahmen der Studie Simulationen: “Damit war es erstmals möglich zu testen, welches Besiedelungs-Szenario am besten mit den Daten des mitochondriellen Erbguts der Wölfe übereinstimmt”, erklärt Koblmüller.
Es zeichnete sich ab: Alle heute in Nordamerika lebenden Wölfe gehen auf eine einzige Besiedlungswelle zurück, die vor 70.000 bis 24.000 Jahren stattgefunden hat. Wie bei der Erstbesiedlung Jahrtausende zuvor, kamen die Wölfe über die Beringstraße, die durch Schwankungen des Meeresspiegels trocken gefallen war. Die Forscher gehen davon aus, dass die Neuankömmlinge die damals bereits im Land ansässigen Wölfe vollständig verdrängt haben. „Vermutlich waren sie deutlich besser an die sich drastisch ändernden Umweltbedingungen angepasst”, sagt Koblmüller.
Szenarios zeichnen sich ab
Ein buchstäblich einschneidendes Ereignis verhinderte danach den weiteren Genaustausch zwischen den Wölfen Sibiriens und Artgenossen aus Nordamerika. Im Zuge der eiszeitlichen Klimaveränderungen verschmolzen zwei Eisschilde zu einer riesigen Eismasse, die den Weg versperrte. Die Zeit dieses letzten eiszeitlichen Maximums überlebten zwei unterschiedliche Wolfspopulationen sowohl nördlich als auch südlich der Gletscher, berichten die Forscher. Nördlich kamen speziell angepasste Wölfe vor, die dann gemeinsam mit den Vertretern der eiszeitlichen Megafauna verschwanden. Am Ende der Eiszeit wurde dann ganz Nordamerika von den südlichen Wölfen rekolonisiert, zeichnet sich in den Untersuchungsergebnissen ab.
Quelle: Universität Graz





