Biologische Invasionen entstehen, wenn Arten außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets neue Lebensräume erobern. Häufig ist dabei der Mensch der Auslöser, indem er Tiere und Pflanzen über Handelsrouten oder Transporte unbeabsichtigt in neue Regionen einschleppt. In vielen Fällen verdrängen diese Neulinge einheimische Arten oder verändern die Nährstoffkreisläufe. Doch wie genau und in welchem Ausmaß die Invasoren dies tun, war lange unklar.
Verlust an Vielfalt, Wandel im Boden
Um diese Wissenslücke zu schließen, haben Forschende um Madhav Thakur von der Universität Bern nun eine globale Metaanalyse durchgeführt und dabei 2.223 Datensätze aus 775 Studien ausgewertet. Darin waren jeweils die Einflüsse invasiver Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen auf verschiedene Ökosystemeigenschaften untersucht worden, darunter auf die biologische Vielfalt, den Nährstoffgehalt und auf Treibhausgasemissionen. Ziel der Analyse war es, Muster in den Auswirkungen invasiver Arten zu erkennen: Welche Effekte halten über Jahre hinweg an, welche schwächen sich ab und welche Faktoren beeinflussen die Intensität der Veränderungen?
Das Ergebnis: Manche Invasionsfolgen sind dauerhaft, andere nur vorübergehend, wie das Team herausgefunden hat. Während invasive Pflanzen die Vielfalt der einheimischen Pflanzen langfristig verringern, sind ihre Auswirkungen auf andere Faktoren wie den Stickstoffgehalt des Bodens nur vorübergehend. Sie klingen oft nach etwa sechs bis zehn Jahren von selbst wieder ab, wie Thakur und seine Kollegen berichten. Darüber hinaus deutet die Analyse darauf hin, dass invasive Arten – sowohl Pflanzen als auch Tiere – die Emission von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid, Distickstoffmonoxid und im Fall von Pflanzen auch Methan erhöhen können. Thakur betont: „Wenn sich bestätigt, dass Invasionen Treibhausgasemissionen erhöhen, könnte die Bekämpfung invasiver Arten auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“
Alte Annahmen auf dem Prüfstand
Die Studie widerlegt zudem einige frühere Annahmen. So zeigte sich zum Beispiel, dass eine hohe Vielfalt einheimischer Pflanzen oder Tiere nicht zuverlässig vor den Auswirkungen invasiver Arten schützt. Auch bestimmte Merkmale invasiver Pflanzen – etwa Blattdicke oder Wuchshöhe – sowie der Breitengrad des Lebensraums lieferten kaum belastbare Vorhersagen für die Stärke der mit ihnen einhergehenden Veränderungen. Stattdessen erwies sich die Verweildauer einer invasiven Art als entscheidender Faktor: Je länger eine Art in einem Ökosystem präsent ist, desto stärker wirken sich ihre invasiven Eigenschaften auf die einheimische Vielfalt aus. „Zeit ist die unterschätzte Achse der Auswirkungen von Invasionen“, betont Thakur.





