Warum heilen bei vielen älteren Menschen Knochenbrüche langsamer als bei jüngeren? Möglicherweise liegt das am Immunsystem, sagen Forscher der Berliner Charité. Simon Reinke und Sven Geißler haben mit ihrem Team entdeckt, dass die erhöhte Zahl bestimmter Immunzellen im Blut das Zusammenwachsen der Knochen hemmt. Als Auslöser der verzögerten Heilung haben die Mediziner eine Untergruppe der CD8+ T-Zellen, die TEMRA-Zellen, identifiziert. Sie sind Ausdruck eines gealterten Immunsystems. Normalerweise werden CD8+ T-Zellen durch den direkten Kontakt mit Krankheitsauslösern – sogenannten Pathogenen – aktiviert und bekämpfen diese dann durch die Ausschüttung spezieller Proteine, der Zytokine.
TEMRA-Zellen benötigen dagegen keinen Kontakt mit Pathogenen, sondern reagieren direkt auf Entzündungssignale. Sie deuten einen Knochenbruch als eine Art Infektion, „wandern” zum Ort der Fraktur und setzen dort verschiedene Zytokine frei. Das Problem: Diese Zytokine schränken die Funktion von Zellen ein, die die Regeneration des Knochens fördern. Die Wissenschaftler wiesen in Tierversuchen nach, dass das Abschalten der TEMRA-Zellen den Heilungsprozess deutlich beschleunigte – umgekehrt war es, wenn man TEMRA-Zellen zugab. Reinke und Geißler sind zuversichtlich, aufgrund ihrer Ergebnisse neue Ansätze zur schnelleren Heilung von Knochenbrüchen zu finden.





