Bienen können ihre Abwehrkräfte gegenüber Krankheitserregern auf die neue Generation im Stock übertragen, haben Forscher festgestellt. Durch das Gelée – das Bienenäquivalent zur Muttermilch – verpassen die Insekten ihrer Brut demnach „RNA-Impfstoffe“. Möglicherweise lässt sich dieses System für den Bienenschutz nutzen, sagen die Wissenschaftler.
Bienensterben (Colony Collapse Disorder) heißt das Stichwort: Seit einigen Jahren befinden sich die ökologisch und ökonomisch bedeutenden Insekten gleichsam auf dem Sinkflug. Viele Völker auf der ganzen Welt sind geschwächt und sterben in einem teils dramatischen Ausmaß ab. Die Gründe sind Studien zufolge vielschichtig. Ein Faktor gilt allerdings als klar nachgewiesen: Vielen Völkern machen Infektionen mit bestimmten Viren zu schaffen, die wiederum durch die blutsaugende Varroamilbe verbreitet werden.
Den Bienen im Kampf gegen die Virusinfektionen zu helfen, haben sich die Forscher um Eyal Maori von der University of Cambridge zum Ziel gesetzt. Ihr Ansatz ist dabei, die Insekten über eine Art Impfung zu stärken, die durch spezielle RNA-Moleküle vermittelt wird. Sie werden von Genen der Honigbiene gebildet oder stammen von Krankheitserregern wie Viren. Im Gegensatz zu anderen RNAs im Körper dienen diese RNA-Moleküle nicht der Herstellung von Eiweißen. Stattdessen spielen sie über die sogenannte RNA-Interferenz eine steuernde Rolle: Sie beeinflussen die Genregulation und damit auch Immunreaktionen.
Antivirale Therapie im Test
In früheren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler bereits Erfolge mit dieser antiviralen Therapie vorweisen. Sie haben Bienen RNA-Fragmente mit dem Futter zugeführt, die ein Segment eines Virus enthielten, das Bienen befällt. Es zeigte sich, dass die RNA tatsächlich eine Immunreaktion auslöste – ähnlich wie ein Impfstoff: Die behandelten Bienen zeigten erhöhte Widerstandskraft, als sie dem tatsächlichen Erreger schließlich ausgesetzt wurden. Dabei stellten die Forscher später einen Effekt fest, der nun zu der aktuellen Studie geführt hat: Die Versuchs-Völker blieben nach Beendigung der Behandlung über mehrere Monate hinweg gesund – auch als die ursprünglich behandelten Bienen gestorben und durch eine neue Generation ersetzt worden waren. Dies ließ vermuten, dass die immunisierenden RNA-Fragmente über Generationen hinweg weitergegeben wurden.
So haben sich die Forscher der Untersuchung des möglichen Übertragungsmediums gewidmet: Dem Gelée, das auch als Weiselfuttersaft bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um ein Sekret, das in bestimmten Drüsen im Kopf der Ammenbienen entsteht und zur Versorgung der Brut verwendet wird. Die Larven der Arbeiterinnen werden nur in den ersten Larvenstadien mit dieser „Bienen-Muttermilch“ gefüttert, anschließend bekommen sie Pollen und Honig. Die jungen Königinnen werden hingegen komplett mit dem Nahrungssaft gefüttert – daher kommt die Bezeichnung Gelée royale.





