Der kilometerdicke antarktische Eisschild umfasst die größte Eismasse der Erde – entsprechend groß ist sein potenzieller Einfluss auf die künftige Entwicklung der Meeresspiegel. Ein besonderer Fokus der Klimaforschung liegt auf dem Westantarktischen Eisschild, der sich vom antarktischen Festland bis in die Amundsensee erstreckt. Die Gletscher dieser Region zählen zu den am schnellsten abnehmenden der Welt – mit gravierenden Folgen für den Meeresspiegel. Sollte der Westantarktische Eisschild vollständig kollabieren, würde der Meeresspiegel den Prognosen zufolge um mehr als drei Meter ansteigen.
Bessere Prognosen dank Kenntnis der Vergangenheit
„Für die künftige Entwicklung des globalen Meeresspiegels ist die Stabilität des Westantarktischen Eisschildes von entscheidender Bedeutung“, sagt Gabriele Uenzelmann-Neben vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. „Deshalb arbeiten Forschende auf der ganzen Welt daran, das künftige Verhalten des Eises in einer wärmeren Welt mit Computermodellen zu prognostizieren. Diese sind um so genauer, je mehr man über die Vergangenheit des Westantarktischen Eisschildes weiß. Seine jüngere Geschichte ist dabei gut dokumentiert. Die Frühzeit – insbesondere die Bildungsphase – ist jedoch weitgehend unbekannt.“
Gemeinsam mit ihrem Team hat Uenzelmann-Neben daher einen Blick in die Vergangenheit dieses Eisschilds geworfen. Dazu untersuchten die Forscher die Sedimente im Bereich des Pine-Island-Trogs. Dieser kanalartige Einschnitt beginnt im flachen Bereich der Amundsensee am Meeresboden und läuft von Norden nach Süden direkt auf die westantarktische Küste zu. Hier mündet der Pine-Island-Gletscher ins Meer und transportiert Jahr für Jahr mehr Eis ins Meer als jeder andere Gletscher weltweit. Seine Aufsetzlinie – also die Grenze, an der das Eis noch Kontakt zum Meeresboden hat – zieht sich dabei mehr und mehr in Richtung Land zurück und immer größere Teile werden von Wasser unterspült.
Ungleichmäßiges Sediment
Um die im Laufe der Jahrmillionen entstandenen Schichten des Meeresbodens in diesem Bereich zu erkunden, nutzten die Forscher künstlich erzeugte seismische Wellen. Ausgesendet von einem Forschungsschiff breiten sich diese bis unter den Meeresboden aus. An bestimmten Schichtgrenzen – etwa der Grenze zwischen Sediment und Fels – werden sie reflektiert. Messgeräte registrieren die jeweilige Laufzeit der seismischen Wellen und ermöglichen auf dieser Basis Rückschlüsse auf die innere Struktur des Meeresbodens.





