Text: Wiebke Pfohl
In den 70er und 80er Jahren fährt der Ökologe Anders Pape Møller an den Ort, an dem er aufgewachsen ist, um männlichen Rauchschwalben die Schwanzfedern abzuschneiden. Was absurd klingt, ist heute ein bekanntes Experiment zur sexuellen Selektion. Männliche und weibliche Rauchschwalben sehen sich ähnlich, mit Ausnahme der Schwanzfedern, die bei Männchen länger und variabler sind. Møller wollte wissen: Haben Männchen mit längeren Federn mehr Erfolg bei der Fortpflanzung?
Dafür fing der Forscher im Norden Dänemarks männliche Tiere und teilte sie in vier Gruppen. Der ersten Gruppe schnitt er die äußeren Schwanzfedern ab, kürzte sie ein wenig und klebte sie dann mit Sekundenkleber wieder an. Der zweiten Gruppe schnitt er ebenfalls die Federn ab, fügte dann aber ein Stück Feder hinzu, sodass ihre Schwanzfedern länger wurden. Der dritten Gruppe schnitt er die Federn ab und klebte sie direkt wieder an, um zu überprüfen, ob die Klebestelle das Experiment beeinflusst. Die vierte Gruppe behielt intakte Federn. Dann beobachtete er die Tiere. Tatsächlich: Die Männchen mit den verlängerten Schwanzfedern finden schneller ein Weibchen als die mit den gekürzten Federn.
„Es klingt etwas verrückt, aber es ist ein sehr elegantes Experiment“, sagt Wenfei Tong, promovierte Biologin, Künstlerin und Autorin der Bücher „Bird Love“ und „Understanding Bird Behavior“. „Das Experiment wurde dann in Nordamerika wiederholt. Die Forschenden fanden heraus, dass die Schwanzlänge dort keinen Einfluss auf den Erfolg der männlichen Rauchschwalben hatte. Stattdessen kam es darauf an, wie rot die Brustfedern waren.“
Farbenpracht durch Lichtreflexion
Vögel haben verschiedene Strategien, um sich gegenseitig zu beeindrucken. Sie singen, tanzen, bauen aufwendige Gebilde – und zeigen ihr Gefieder. Die Paradiesvögel sind dafür besonders berühmt. Ausladende Schwanzfedern, gekringelte Federn, bis zu 50 Zentimeter lange Kopffedern; leuchtend blau, knallrot, schimmernd grün, zitronengelb, mandarinenorange. In den Tropen sind die Vögel am farbenfrohsten. Der Pracht-Kragenparadiesvogel etwa spreizt bei der Balz seine Federn zu einem schwarzen ovalen Kamm und streckt das schillernd blaue Brustgefieder heraus. Wie ein breit grinsender Smiley sieht er aus, während er vor dem Weibchen hin und her hüpft.
Die schwarzen Federn des Pracht-Kragenparadiesvogels sind besonders modifiziert und reflektieren extrem wenig Licht. Das Schwarz kommt nah an das künstlich hergestellte dunkelste Schwarz heran. Der Kontrast sorgt dafür, dass das Blau besonders während der Balz leuchtend hervorsticht. Das könnte der Grund dafür sein, dass die Vögel diese besonderen Federn entwickelt haben, schlagen Forschende um Dakota E. McCoy von der Harvard University als Erklärung vor.





