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Wenn Orcas Boote zum Sinken bringen
Eine Gruppe von Orcas beschädigt seit einigen Jahren immer wieder Segelschiffe und Fischerboote entlang der iberischen Atlantikküste. Seit die ersten Boote gesunken sind, diskutiert die Öffentlichkeit über die Motivation der Tiere und deren komplexe Verhaltensmuster. Technologische Lösungen sollen die Lage nun entschärfen.
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Text: Roman Goergen
Die Meldung kam als Gruselgeschichte für Halloween ganz passend: Am 31. Oktober 2023 hatte die polnische Segeljacht „Grazie Mamma“ in der Straße von Gibraltar, unweit der marokkanischen Küste, eine etwa 45 Minuten dauernde nervenaufreibende Begegnung mit einer Schule von Orcas. Immer wieder stießen die Meeressäuger gegen das Ruderblatt des Bootes – bis es schließlich brach. Durch die beschädigte Innenachse gelangte Wasser in den Rumpf. Die Marine Marokkos versuchte, die Grazie Mamma in den Hafen von Tanger-Med zu schleppen, doch das Boot sank. Die Insassen konnten zuvor evakuiert werden. Seit 2022 war es das vierte Boot, das iberische Orcas in dieser Region auf diese Weise versenkt hatten.
Dieser Vorfall war der letzte in einem besonders ereignisreichen Sommer an der Meerenge von Gibraltar und der Atlantikküste der Iberischen Halbinsel, von Portugal bis nach Galizien. „Bis Ende Oktober 2023 zählten wir 212 direkte Kontakte zwischen Orcas und Booten. In 45 Fällen war der Schaden so groß, dass die Jachten abgeschleppt werden mussten“, berichtet Alfredo López Fernandez, ein Meeresbiologe an der Universität von Aveiro in Portugal und Vertreter der Grupo de Trabajo Orca Atlántica (GTOA; Arbeitsgruppe Atlantischer Orca). López nennt die Kontakte „Interaktionen“ und kritisiert den Begriff „Attacke“: „Die Orcas zeigten keine erhöhte Aggressivität, wenn sie sich den Schiffen näherten.“
Dennoch führten die versenkten Jachten 2023 zu einem regelrechten Rummel in der Presse und den Sozialen Medien. Selbst Journalisten der Wissenschaftsressorts schwelgten in der Berichterstattung in Formulierungen, die sonst eher Boulevardblättern vorbehalten sind. Von „nautischen Jagden“ war die Rede, von „gnadenloser zerstörerischer Effizienz“ oder der Gefahr, dass „von Besatzungen nichts übrig bleiben könnte“. Dabei kamen bislang keine Menschen zu Schaden, und die Experten hatten betont, dass die Tiere noch nie gegenüber Menschen gewalttätig geworden seien. Andere, wie die amerikanische Dichterin Alexis Pauline Gumbs, sprachen gar von einem Aufstand der Orcas gegen die Zerstörung ihrer Umwelt und forderten Solidarität mit den tierischen Revolutionären.
Noch 64 iberische Orcas
Die kleine, isolierte Subpopulation der iberischen Orcas wird von der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) auf ihrer Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt – eine Folge davon, dass ihre bevorzugte Beute, der Atlantische Blauflossen-Thunfisch (Roter Thun) schwindet. Er gilt vor allem wegen Überfischung als gefährdet.
Der spanische Meeresbiologe Renaud de Stephanis, Präsident der Forschergruppe CIRCE (Conservación, Información y Estudio sobre Cetáceos; Erhaltung von, Information über und Erforschung von Meeressäugern), beobachtet die Orca-Subpopulation bereits seit 1986. Laut seinen Angaben umfasst sie derzeit 64 Tiere. Davon gehören 15 zur sogenannten Gladis-Gruppe, die bislang ausschließlich für die Interaktionen mit den Booten verantwortlich war. „Manche von ihnen fingen schon zwischen 2015 und 2017 an, sich mit Booten zu beschäftigen. Das waren damals noch junge Tiere. Als sie wuchsen, wuchs auch das Problem, bis dann schließlich 2020 das erste Ruder brach“, erläutert de Stephanis. Die iberischen Orcas folgen vor allem im Frühjahr und Sommer dem Thunfisch von Gibraltar über Portugal bis nach Galizien, und ihre Route kreuzt sich dabei mit der vieler Jachten. Dadurch sei das Interesse entstanden.
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Die Vorfälle setzten sich auch 2021 und 2022 fort, was Alfredo López und seine Kollegen bei GTOA dazu veranlasste, im Fachjournal Marine Mammal Science die Situation zusammenzufassen. Nach der Analyse von 47 Zeugenaussagen, 110 Bildern und 69 Videos führt die Studie im Auftrag der spanischen Regierung einige mögliche Erklärungen für das Verhalten der Orcas an: ein „punktueller negativer Vorfall“ wie die Kollision eines Orcas mit einem Schiff, die natürliche Neugier der Tiere oder Stressfaktoren wie Beutemangel, Störungen durch Boote und Konfliktsituationen mit Fischern. Dabei verweisen die Forscher besonders auf die Matriarchin der Gladis-Gruppe, White Gladis. López hält es für möglich, dass sie aufgrund einer schlechten Erfahrung mit diesem Verhalten begann: „Sie war 2020 das einzige von sieben Jungtieren, das solche Interaktionen mit Booten durchgeführt hat.“ In den Medien machte danach schnell die Geschichte eines rachsüchtigen weißen Wals die Runde, ganz wie im berühmten Roman „Moby Dick“. „Es geht aber nicht um Rache. Zu diesem emotionalen Konzept der Menschen sind Meeressäuger nicht fähig“, so López, „es könnte aber möglicherweise eine posttraumatische Stressreaktion auf die Negativerfahrung sein.“ Wobei auch andere Gruppenmitglieder wie Black Gladis und Grey Gladis nach den Aufzeichnungen der GTOA negative Erlebnisse mit Booten hatten.
Die Gefahr der Vermenschlichung ist groß
Forscher halten in der Diskussion über die Vorfälle die Anthropomorphisierung der Orcas, also die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften, für ein Problem. Rache, Heimtücke, Grausamkeit – die Liste der menschlichen Emotionen, die einem Meeressäuger noch nie nachgewiesen wurden, ist lang. „Wir können in unserem menschlichen Gehirn das anthropomorphische Denken einfach nicht ausschalten“, sagt Alfredo López.
Das weiß auch Monika Wieland-Shields. Die Mitgründerin des Orca Behavior Institute im US-Bundesstaat Washington erforscht dort die Schwertwale der Salischen See. Sie sagt, die Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Orca seien nicht von der Hand zu weisen, was ihrer Meinung nach auch unsere Faszination an dieser Tierart erklärt: „Sie haben eine ähnliche Lebensspanne, sie haben lebenslange Bindungen mit ihren Familien, sie haben einzigartige Dialekte in ihren Lauten und sie beteiligen sich an sozial komplexen Verhaltensweisen“, so Wieland-Shields. „Wir riskieren vielleicht, sie zu vermenschlichen, aber es sind Tiere mit großen Gehirnen, die darauf ausgerichtet sind, Emotionen zu verarbeiten und komplexe Beziehungen zu steuern“, erläutert Wieland-Shields. Obwohl der Mensch die Ähnlichkeiten erkenne, scheitere er immer noch daran, diese vollständig zu verstehen.
Wie und warum die regional jeweils einzigartigen Verhaltensweisen der Orcas entstehen, bleibt für die Wissenschaft oft ein Rätsel. So jagen Orcas vor Südafrika, aber auch vor Mexiko und Australien, seit einiger Zeit Weiße Haie und fressen dann nur deren Leber. Vor Südafrika wurde vor einigen Monaten sogar ein einzelner Orcawal beobachtet, wie er in nur zwei Minuten einen großen Weißen Hai tötete. Normalerweise jagen Wale zu mehreren, einzelne Jäger wurden bis zu diesem Ereignis noch nicht beobachtet.
In Patagonien und Kanada bringen Mütter ihrem Nachwuchs bei, am Ufer Robben zu jagen, indem sie die Jungtiere absichtlich an den Strand werfen. Bei den Galapagosinseln wurden Orcas beobachtet, die mit hilflosen Schildkröten spielten und sie im Wasser herumwirbelten.
„Marotten“ verbreiten sich innerhalb der Gruppe
Orcas lernen Verhaltensweisen durch die Imitation eines Artgenossen ihrer Schule – „besonders wenn sie etwas sehen, von dem sie denken, dass es Spaß machen könnte oder dass es möglicherweise vorteilhaft wäre, es auch zu tun“, sagt Wieland-Shields. Die Forschung nennt solche plötzlich unter Orcas auftretenden Verhaltensweisen „fads“, auf Deutsch etwa „Marotte“ oder „Modeerscheinung“. „Eine Marotte wird von einem Individuum erfunden, verbreitet sich durch die gesamte Population und bleibt oft nur für eine gewisse Zeit populär“, sagt die Amerikanerin. Manchmal können Forscher den Sinn dahinter erkennen, manchmal nicht.
Bei der Jagd auf die Leber von Weißen Haien war der hohe Nährwert des Organs zum Beispiel ein klar erkennbarer Auslöser. 1987 hingegen begann ein Weibchen der Resident-Orca-Gemeinschaft an der nordamerikanischen Pazifikküste damit, einen toten Lachs auf ihrem Kopf zu tragen. Die modische Kopfbedeckung verbreitete sich innerhalb ihrer Schule schnell. „Dann wurde das 1988 noch ein paarmal gesehen und danach nie wieder“, erinnert sich Wieland-Shields.
Die Meeresbiologin hält auch die Interaktionen mit Booten an der iberischen Atlantikküste für ein kulturell erlerntes Verhalten. „Wenn ein Verhalten aber über Jahre hinweg anhält, wird es mehr als nur eine vorübergehende Marotte“, warnt die Forscherin. Sie hofft, dass die Orcas doch noch das Interesse verlieren, „aber offensichtlich fasziniert sie weiterhin etwas an diesen Rudern“. Dadurch, dass das Verhalten durch Imitation weitergegeben wird, ist es für die Forscher schwer, Urheber zu ermitteln, da die Tiere nicht einmal mehr den ursprünglichen Auslöser kennen müssen. „Wenn jemand durch Nachahmung lernt, verliert der Ursprung der Aktion seine Bedeutung“, sagt auch Alfredo López.
Faszination, Spieltrieb und sogar Spaß – das sind nach Beobachtung von Renaud de Stephanis die motivierenden Faktoren für die iberischen Orcas. Für ihn ist klar, dass die Tiere mit den Rudern spielen wollen: „Bei Interaktionen wollen sie spielen, weil das eine Bereicherung für sie ist. Sie spielen mit uns, sie spielen mit Thunfisch und mit was auch immer sie sonst im Meer finden.“
Boote als Ersatz für fehlende Spielkameraden?
Wegen der Überfischung des Thunfischs brachten die iberischen Orcas einige Jahre lang kaum Babys zur Welt. Als sich die Lage ab etwa 2010 verbesserte und wieder Kälber geboren wurden, gab es zunächst geburtenschwache Jahrgänge. „Jungtiere hatten keine Geschwister und deswegen niemanden zum Spielen. So konnten sie auch nicht lernen, was es bedeutet zu spielen“, erläutert de Stephanis. Wie menschliche Einzelkinder lernten sie, sich mit sich selbst zu beschäftigen. „Sie begannen, mit Walbeobachtungsbooten, mit Fischerbooten und mit Versorgungsbooten herumzuspielen“, so de Stephanis. Das sei alles völlig normal und verständlich gewesen – aber weil die Tiere jetzt ausgewachsen seien, sei nun die Gefahr von Schäden höher. „Sie wollen etwas erleben, suchen nach einer Reaktion. Wenn das Ruder bricht, macht es viel Krach – das macht ihnen Spaß“, so der Spanier. Für den Biologen sind die verschiedenen Interpretationen nur eine Frage der Perspektive: „Der Orca sieht es als Spiel – der um sein Boot besorgte Kapitän als Attacke.“
Skipper sollen Gefahrenzonen meiden
Allerdings sind sich alle Experten auch darin einig, dass nicht gewartet werden dürfe, bis ein Mensch verletzt wird. Bei den in Spanien und Portugal gegenwärtig diskutierten Maßnahmen geht es um Vermeidung und Abschreckung. Alfredo López betont, dass die Anzahl der Kontakte vor allem auch deswegen so hoch sei, weil es immer mehr Segelboote gebe und viele Skipper sich nicht an Empfehlungen hielten, sich von bestimmten Gebieten fernzuhalten. „Wenn Boote die Problemregionen mit vielen Orca-Sichtungen wenigstens während der Nacht meiden würden, hätte das schon einen Rückgang der Interaktionen um 22 Prozent zur Folge. Aber viele halten sich für unverwundbar“, klagt der Biologe.
Wie noch genauer ermittelt werden kann und soll, wo diese Gefahrenzonen liegen, ist umstritten. Renaud de Stephanis zeigt eine Wärmekarte von der südwestlichen Atlantikküste Spaniens in der Nähe von Gibraltar. Zwischen den Küstenorten Barbate und Tarifa sticht ein besonders roter Fleck heraus. Dort gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, mit Orcas in Kontakt zu kommen.
Die Karte ist das Resultat einer von der spanischen Regierung finanzierten Studie mit dem Ziel, Orcas mit Satellitensendern zu versehen, um deren Position zu verfolgen. Die Forschergruppe CIRCE hat inzwischen sechs solcher Peilsender an Tieren der Gladis-Gruppe angebracht. Wie bei einem Wetterbericht soll damit die Bewegung der Problemgruppe vorhergesagt werden. „Das hat bis jetzt super funktioniert. Wir wissen, wo sie sind, und wir wissen, wo sie waren. Wir werden weitere Sender anbringen, neue Daten sammeln, mit den alten vergleichen und so eine Vorhersagekarte erstellen“, erläutert de Stephanis das Vorhaben. Auf einer Webseite könnten sich Bootsführer dann die Karte ansehen und so ihre Route unter Vermeidung der Problemzonen planen.
Alfredo López sieht diese Maßnahme hingegen kritisch. GTOA habe sich nach einer Anfrage der spanischen Regierung 2021 mit nordamerikanischen Experten beraten und anschließend von den Satellitensendern abgeraten. „Tagging ist eine sehr invasive Methode, die zu Verhaltensstörungen und manchmal sogar zum Tod von Tieren führen kann. Deswegen soll die Methode insbesondere nicht bei Populationen angewendet werden, die von der IUCN als vom Aussterben bedroht klassifiziert sind“, sagt der Forscher. Darüber hinaus gebe es ethische Bedenken in Bezug auf die Besenderung noch nicht ausgewachsener Tiere, trächtiger Weibchen oder solcher mit Jungtieren. „Außerdem wird das Vorhersagesystem maximal einmal im Monat aktualisiert. Es kann Kapitäne nicht in Echtzeit vor der Gegenwart von Orcas warnen“, bemängelt López.
Akustische Abschreckung
López’ Organisation hat mit den Behörden Portugals ein eigenes Maßnahmenprogramm entwickelt. Der portugiesische Plan nützt die sogenannte Gezielte Akustische Schreckreflex-Technologie (Targeted Acoustic Startle Technology; TAST). Dabei geht es darum, Tiere durch die Aussendung akustischer Signale abzuschrecken beziehungsweise zu vertreiben.
TAST wurde ursprünglich entwickelt, um Robben von Fischernetzen fernzuhalten. „Wir machen uns im Wesentlichen den akustischen Schreckreflex zunutze“, erläutert der deutsche Experte für Bio-Akustik Thomas Götz, der TAST gemeinsam mit seinem Kollegen Vincent Janik an der Universität von St. Andrews in Schottland entwickelt hat. „Einfach ausgedrückt handelt es sich dabei um eine Reaktion, an der nur einige wenige Neuronen im Hirnstamm beteiligt sind. Wenn eine Robbe diesen Schreckreflex zeigt, eine Art Zucken, flieht sie noch nicht gleich“, so Götz, doch eine wiederholte Auslösung dieses Reflexes führe zu einer Sensibilisierung. Das hänge damit zusammen, dass die betroffenen Neuronen mit Gehirnbereichen wie der Amygdala verbunden seien, die mit der emotionalen Verarbeitung zu tun haben. „Durch die wiederholte Erregung wird das Tier ängstlicher“, erklärt Götz, und dann erfolge die erwünschte Fluchtreaktion. Insgesamt genüge es aber, das Signal nur wenige Minuten lang alle halbe Minute für 200 Millisekunden auszusenden.
Tests haben inzwischen gezeigt, dass die Technologie nicht nur bei Robben wirkt, sondern auch bei anderen Meeressäugern. So berichtet der Hersteller der Geräte, die schottische Firma Genus Wave, von erfolgreichen Versuchen mit Orcas in Norwegen in den Jahren 2021 und 2022. In den Testgebieten sei die Anwesenheit von Orcas durch die von Fischerbooten ausgesendeten Geräusche um 85 Prozent reduziert worden, wobei sich der Vertreibungseffekt nur jeweils in einer Entfernung von bis zu 50 Metern von der Geräuschquelle ausgewirkt habe. Die Orcas tauchten etwa 100 bis 200 Meter entfernt wieder auf. Doch das sei „genug, um Tiere aus potenziell gefährlichen Bereichen zu vertreiben oder Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu entschärfen“, so Götz.
Thomas Götz ist auch mit der Sorge vertraut, dass solche Abschreckungsmethoden bei den Tieren zu Hörschäden oder Verhaltensstörungen führen könnten. Doch er betont, dass dies bei TAST nicht der Fall sei: „Es handelt sich um eine sehr geringe Geräuschdosis“, betont Götz, außerdem sei die Wirkung nur vorübergehend. Bewege sich das Tier weg, sei es nicht mehr betroffen. Sobald der Ton aufhöre, kehre es oft auch in das Gebiet zurück.
Götz berichtet, dass im Oktober 2023 entsprechende Abschreckungstests auch mit den iberischen Orcas an der Küste Portugals stattfinden sollten. „Wir hatten sogar schon ein Forschungsschiff. Doch es waren dann keine Orcas mehr in portugiesischen Gewässern“, so der Meeresbiologe. Aufgrund der guten Erfahrungen mit den portugiesischen Behörden möchten die schottischen Akustikexperten auch weiterhin dort arbeiten und hoffen nun auf das Jahr 2024.
Doug Nowacek, führender Experte für die akustische Ökologie von Meeressäugetieren an der Duke Universität in den USA, betont, dass es bei solchen Maßnahmen immer auf die Verhältnismäßigkeit ankomme: „Verletzt werden die Orcas dadurch sicher nicht, aber es kann natürlich trotzdem ziemlich unangenehm sein, dauernd erschreckt zu werden.“ Die Frage sei, wie die Orcas damit umgingen, diesem Stimulus wiederholt ausgesetzt zu werden. „Zu Verhaltensänderungen kann es führen, wenn das Gerät zu häufig eingesetzt wird“, so Nowacek.
Der Forscher räumt aber auch ein, dass eine gewisse Störung der Tiere natürlich auch beabsichtigt sei, um das größere Übel des Zusammenstoßes mit Menschen zu vermeiden: „Wenn es tatsächlich funktioniert und es Boote und vielleicht sogar Menschenleben rettet, dann ist es wohl akzeptabel.“ Wenn die Kontakte mit den iberischen Orcas nicht eingeschränkt werden können und letztlich dann doch einmal Menschen zu Schaden kommen sollten, wären die Folgen für diese gefährdete Population wohl wesentlich dramatischer. //
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