Beinahe hätte die Gier nach Rohstoffen den charismatischen Riesen der Meere den Garaus gemacht. Neben vielen weiteren Walarten waren auch die Buckelwale (Megaptera novaeangliae) stark vom kommerziellen Walfang des 20. Jahrhunderts betroffen. Als in den 1960er Jahren schließlich die Notbremse gezogen wurde, gab es nur noch kleine Restbestände. So waren auch vor der Ostküste Australiens nur noch etwa 200 Exemplare übrig. Diese kleine Population konnte allerdings von den Schutzbemühungen überraschend intensiv profitieren: Schätzungen zufolge gibt es heute wieder etwa 27.000 Buckelwale vor der australischen Ostküste.
Bereits seit Jahrzehnten steht diese Population besonders im Fokus der Forschung. Bei der aktuellen Studie sind Rebecca Dunlop und Celine Frere von der University of Queensland in Brisbane nun der Frage nachgegangen, ob sich im Zuge der Bestandserholung Veränderungen im Paarungsverhalten der Tiere feststellen lassen. Denn wie die Wissenschaftlerinnen berichten, ist von anderen Tierarten bekannt, dass sie bestimmte Taktiken anpassen können, je nachdem, wie dicht die Bestände in ihrem Lebensraum sind.
Singen oder kämpfen?
Bei den Buckelwalen gibt es bekanntlich ein besonders eindrucksvolles Element beim Paarungsverhalten: Die männlichen Tiere lassen Gesänge erschallen, die unter Wasser weithin hörbar sind. Die volle Bedeutung gilt nicht als abschließend geklärt, doch es liegt nahe, dass die Bullen durch die Laute Weibchen anlocken und betören. Zudem kann der Gesang offenbar beim Wettbewerb unter den Männchen eine Rolle spielen – sie liefern sich einen Gesangswettstreit, während sie um ein Weibchen buhlen. Interessanterweise verfolgen aber nicht alle Bullen diese Taktik: Manche bleiben still und setzten nur auf den physischen Kampf, bei dem sich die Tiere durch Schläge mit dem Kopf gegenseitig traktieren.
Für ihre Studie werteten Dunlop und Frere nun umfangreiche Untersuchungsdaten des Paarungsverhaltens der Buckelwale vor der australischen Ostküste aus, die den Zeitrahmen von 1997 bis 2015 umfassen. Es handelte sich dabei um Unterwasser-Tonaufnahmen sowie um Beobachtungen der Strategien und der individuellen Erfolge in Paarungsgruppen aus Männchen, die um ein Weibchen buhlen. Aus diesen Informationen ging etwa hervor, inwieweit ein Bulle, der schließlich in die Spitzenposition gelangte, gesungen hatte oder nicht.
Strategiewechsel bei viel Konkurrenz
Wie die beiden Forscherinnen berichten, zeichnete sich eine deutliche Verschiebung bei der Taktik der Tiere im Untersuchungszeitraum ab: “Im Jahr 1997 war die Wahrscheinlichkeit, dass ein singendes Walmännchen bei einem Paarungsversuch mit einem Weibchen gesehen wurde, fast doppelt so hoch wie bei einem nicht singenden Männchen”, sagt Dunlop. Etwa 2003 erreichte das Verhältnis etwa Gleichstand und im Jahr 2015 hatte es sich dann umgekehrt: „Nicht singende Männchen wurden fast fünfmal häufiger beim Versuch beobachtet, sich fortzupflanzen, als singende Männchen“, berichtet Dunlop.





