Die Sachstandberichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) sind nicht das Werk einzelner Regierungen, Forschungseinrichtungen oder Interessengruppen, sondern beruhen auf der Forschungsarbeit von tausenden Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Für die Weltklimaberichte werten mehrere hundert als Leitautoren benannte Klimaforscher zehntausende von Fachveröffentlichungen aus und fassen sie zu einer Bilanz des aktuellen Klimawissens zusammen. Der letzte, fünfte Sachstandsbericht des IPCC wurde im Jahr 2013/2014 veröffentlicht. Schon damals prognostizierte er eine deutliche Zunahme von Wetterextremen, weiter abtauende Gletscher und steigende Meeresspiegel, wenn die Emissionen von Treibhausgasen nicht drastisch und schnell reduziert werden. Seither ist im Klimaschutz kaum etwas passiert.
“Beispiellose Veränderungen des Klimas”
Jetzt hat der Weltklimarat IPCC den ersten Band seines sechsten Sachstandsberichts (AR6) veröffentlicht. Die in ihm zusammengefassten Daten beleuchten den Ist-Zustand des Erdklimas, um dann neue, präzisierte Prognosen für den weiteren Klimaverlauf zu präsentieren. So bestätigt der Bericht, dass die globale Erwärmung im Vergleich zu den präindustriellen Werten bei rund 1,1 Grad liegt. Landflächen haben sich dabei schon um 1,6 Grad erwärmt, während die Meere mit 0,99 Grad verzögert reagieren. “Das Ausmaß der jüngsten Veränderungen im gesamten Klimasystem und der gegenwärtige Zustand vieler Aspekte des Klimasystems sind seit vielen Jahrhunderten bis Jahrtausenden beispiellos”, so der IPCC-Bericht. “Die globale Oberflächentemperatur hat sich seit den 1970er Jahren schneller erhöht als in jeder anderen 50-Jahres-Periode der letzten 2000 Jahre.” Der Meeresspiegel sei seit 1900 schneller angestiegen als in jedem früheren Jahrhundert der letzten 3000 Jahre.
Der neue Klimabericht bestätigt auch, dass die beobachteten Veränderungen des Erdklimas nicht allein durch natürliche Schwankungen erklärbar sind: Den aktuellen Daten zufolge hat natürliche Variabilität nur einen Anteil von rund 0,2 Grad an den Veränderungen, der Rest geht auf anthropogene Einflüsse zurück, so der IPCC. Dies wird unter anderem daran deutlich, dass die Klimamodelle die aktuellen Beobachtungen nicht nachvollziehen können, wenn nicht der anthropogene Einfluss mit einbezogen wird. Gestützt werden diese Aussagen von einer Präzisierung der Klimasensitivität – der Abhängigkeit der Erwärmung vom CO2-Gehalt der Atmosphäre. Im Bericht von 2013 lag die Spanne für den Erwärmungseffekt eines verdoppelten CO2-Gehalts noch bei 1,5 bis 4,5 Grad, inzwischen wurde die Spanne auf 2,5 bis vier Grad eingeengt. Damit ist inzwischen klarer abschätzbar, welche konkreten Folgen eine Erhöhung der Treibhausgaswerte auf das Klimasystem hat. “Zusätzliche 1000 Gigatonnen CO2 der kumulativen CO2-Emissionen verursachen einen Anstieg der globalen Oberflächentemperaturen um 0,27 bis 0,63 Grad, im Mittel von 0,45 Grad”, heißt es im Bericht.





