Unter unseren Füßen wimmelt es – das war schon lange klar: Die verschiedenen Vertreter der auch Nematoden genannten Fadenwürmer erreichen häufig hohe Bestandsdichten im Untergrund. Es handelt sich bei diesen Wesen um meist mikroskopisch kleine, farblose Würmchen, die sich an nahezu alle terrestrischen und aquatischen Ökosysteme der Erde angepasst haben. „Nematoden übernehmen wichtige Funktionen für den Nährstoffkreislauf im Boden und damit für das Pflanzenwachstum und die Bodenfruchtbarkeit. Dennoch lagen bisher der zahlenmäßigen Verbreitung dieser Bodenlebewesen auf unserer Erde nur grobe Schätzungen zugrunde“, erklärt Karin Hohberg vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz.
Würmchen zählen war angesagt
Um nun genauere Informationen über diese wichtigen Winzlinge zu gewinnen, haben Hohberg und ihre Kollegen insgesamt 6759 Bodenproben aus allen Regionen und von allen Kontinenten der Erde unter dem Mikroskop untersucht und analysiert. Die Ergebnisse der Auszählungen nutzten sie dann als Grundlage für Hochrechnungen, um den weltweiten Bestand und die Verbreitung der bodenlebenden Fadenwürmer zu modellieren.
„Obwohl wir wussten, dass Nematoden in sehr hoher Anzahl auftreten – oft mehr als eine Million pro Quadratmeter Boden in unseren Breiten – sind die Ergebnisse verblüffend“, berichtet Hohberg: „Nach unseren Berechnungen kommen auf jeden Menschen etwa 57 Milliarden Fadenwürmer“. Bezüglich ihrer Biomasse bedeutet das wiederum: Sie bringen unterm Strich ein Gewicht von 300 Millionen Tonnen auf die Waage. „Das entspricht 80 Prozent der Masse der derzeitigen menschlichen Weltbevölkerung“, vergleicht die Wissenschaftlerin.
Kritische Rolle im Rahmen des Klimawandels?
Wie die Forscher berichten, zeichnet sich eine spezielle Verteilung der Bestände auf der Erde ab: Die Anzahl und Masse der Nematoden nimmt demnach von den subarktischen Regionen zum Äquator hin deutlich ab. 38,7 Prozent der Nematoden leben in den borealen Wäldern und Tundren Nordamerikas, Skandinaviens und Russlands, 24,5 in den gemäßigten Zonen und nur 20,5 Prozent in den Tropen und Subtropen. „Dies ist gegenteilig zu dem Bild, das wir oberhalb des Bodens kennen – hier sind die Tropen am tierreichsten“, sagt Hohberg.
Den Wissenschaftlern zufolge hat die besondere geografische Verteilung der Fadenwürmer eine Bedeutung für ihre Rolle im Rahmen des Klimawandels. Konkret: Möglicherweise ist ihre abbauende Tätigkeit höchst problematisch, denn die Böden der Arktis und Subarktis bilden große Kohlenstoffreservoirs, in denen enorme Mengen von Treibhausgasen gebunden sind. „Da Nematoden und auch alle anderen Bodentiere bei höheren Temperaturen aktiver sind, setzen sie mit zunehmender Wärme in diesen Regionen möglicherweise auch immer mehr Kohlenstoff frei, der dann in der Form des Treibhausgases Kohlendioxid wiederum erneut zu einem Temperaturanstieg führen kann“, sagt Hohberg.





