Nun glühen keine Lampen mehr in meiner Wohnung, dafür glühe ich vor Zorn. Denn jetzt flutet nicht nur grünlich kaltes Leuchtstofflicht meinen Esstisch. Viel schlimmer noch ist die Lage am stillen Örtchen. Dort ist es immer noch dunkel, wenn schon längst das Wasser rauscht. Geschlagene 120 Sekunden braucht das Ding, um hell zu werden. Sieben teure Leuchtstofflampen habe ich erstanden – und alles falsch gemacht. Die tragische Lage auf meinem englischen Schreibsekretär deute ich nur an: Während ein zarter Schirm früher das Birnchen zur Gänze bedeckt hatte, schaut die neue Lampe frivol drei Finger breit hervor. Aller Charme ist dahin, und sie blendet.
Der Fehler war: Ich wollte einfach Leuchten kaufen! Und mich nicht zur Fachfrau für Lichttechnik über Warmstarter, Aufstartzeiten, Schaltfestigkeit und Farbwiedergaben weiterbilden. Wenigstens hatte ich auf Anhieb verstanden, was Schraubsocken sind. Das allerdings erwies sich als Schreibfehler und müsste Schraubsockel heißen.
Heute weiß ich, worauf ich hätte achten müssen. Fürs Örtchen einen Schnellstarter kaufen! Für die 50er Jahre-Lampe auf die Ziffer 827 achten! Das kleine Schirmchen auf dem Schreibtisch unbedingt vorher ausmessen! Hätte ich gelesen, was auf der Seite 64 steht, wäre mir viel Unbill erspart geblieben. Denn in der Tat: Es gibt mittlerweile gute Lösungen. Das hässliche Entlein “Ökobirne” hat sich mit den Jahren gemausert. Nur sei die Frage erlaubt: Warum werden diese Informationen nicht so auf den Packungen oder über den Regalen aufbereitet, dass auch Meiner-Einer sie versteht? Zum Beispiel das Wort “warmweiß” statt einer Zahl? Während ich darüber nachdenke, flattert die Nachricht in mein Email-Fach, dass nach Australien, Neuseeland und Kalifornien nun auch die EU Glühbirnen verbannen will. Eine großartige Entscheidung, denn allein in Deutschland spart dies 7,5 Milliarden Kilowattstunden und 4,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Ich kann ja nun ruhigen Gewissens Heinrich Heine lesen, und Ihnen raten, der EU-Richtlinie noch zuvorzukommen. Denn es lohnt sich: Bis zu 80 Prozent weniger Strom braucht so eine Lampe. Da amortisieren sich die Ausgaben in null Komma nichts.
Ich werde nun tapfer ein zweites Mal losziehen und mich ohne Murren vors Riesenregal stellen. Ich werde zum Beispiel eine Lampe kaufen mit der Schraubsocke, pardon, dem Schraubsockel, E27 und 25 Sekunden Aufstartzeit. Noch Fragen?
Ihre
Ilona Jerger, Chefredakteurin





