Spätestens seit dem Dieselskandal sorgen die Stickoxide aus Fahrzeugabgasen und anderen Quellen für Diskussionen und Besorgnis. Denn Studien belegen, dass erhöhte Konzentrationen dieser Luftschadstoffe auf lange Sicht Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Asthma und Diabetes fördern können. Dennoch schaffen es viele deutsche Städte nicht, die EU-Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) Luft im Jahresmittel einzuhalten. Vor wenigen Monaten erst berechneten Forscher des Umweltbundesamts, dass dadurch allein in Deutschland hunderttausende Menschen als Folge der Stickoxidemissionen erkranken. 6000 bis 8000 Menschen pro Jahr sterben vorzeitig an einer von diesen Luftschadstoffen verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Wie die Luftqualität in diesem Sommer in den deutschen Städten aussah, hat eine bundesweite Citizen-Science-Messaktion, initiiert von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ermittelt. Dafür wurde von freiwilligen Helfern an 461 Messstellen in 232 Städten und Kommunen die Belastung der Atemluft mit Stickstoffdioxid (NO2) mittels sogenannter Passivsammler gemessen. Die Messungen fanden dabei auch in Orten statt, die bisher nicht Teil der offiziellen Messkampagne sind.
Dicke Luft auch jenseits der offiziellen Messstellen
Das Ergebnis: An 53 verkehrsnahen Messstellen wurden Stickoxid-Werte von 40 µg/m3 oder mehr gemessen – und damit Konzentrationen oberhalb des Grenzwerts. Am stärksten belastet war die Luft dabei in Bonn mit 77,2 µg/m3, aber auch in Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf und Kiel wurden Werte zwischen knapp 60 und 70 µg/m3 gemessen, wie die DUH mitteilt. NO2-Werte oberhalb des gesetzlichen Grenzwertes wurden aber auch in 40 Städten ermittelt, in denen bislang keine amtlichen und somit für die Bundesregierung relevanten Messungen durchgeführt werden. Dazu gehörten unter anderem Starnberg, Fürth, Laufen, Erlangen und Frechen.
“Wir haben in Deutschland ein flächendeckendes Problem mit Stickstoffdioxid in unserer Atemluft. Unsere Citizen Science Messungen haben die Anzahl der Städte mit Grenzwertüberschreitungen auf 115 anwachsen lassen”, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Bisher jedoch seien nur 65 Städte in das Programm für Sofortmaßnahmen gegen die Luftbelastung aufgenommen. “Die Bundesregierung muss ihre Hilfe auf alle Städte und Gemeinden ausdehnen, die unter gesundheitlich bedenklichen NO2-Werten leiden, und nicht nur die wenigen Dutzend Städte mit amtlichen Messpunkten finanziell unterstützen.”
Eine interaktive Karte der Messergebnisse ist hier abrufbar.





