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Weihnachtsbaum: Lieber natürlich oder aus Plastik?
Biologie

Weihnachtsbaum: Lieber natürlich oder aus Plastik?

In der Vorweihnachtszeit entscheiden sich viele von uns zwischen echter Tanne und künstlichem Weihnachtsbaum. Beide Bäume haben sowohl Vor- als auch Nachteile und stehen wegen ihrer Ökobilanz in der Kritik. Lassen wir unsere persönlichen Präferenzen außen vor: Ist ein echter oder ein künstlicher Weihnachtsbaum besser für die Umwelt?
Autor
Sirona Schönfeldt
11. Dezember 2025
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum? Für viele kaum vorstellbar. Dabei fällt die Wahl meist entweder auf eine echte Tanne oder einen künstlichen Baum aus Plastik. Während letzterer eine Investition für viele Jahre ist und vor dem Aufstellen nur einmal abgestaubt werden muss, ist ein echter Baum authentischer und nimmt nach dem Fest keinen Platz in Abstellkammer oder Keller weg. Um die Entscheidung abzuwägen, lohnt sich jedoch auch ein Blick auf die Nachhaltigkeit der beiden Varianten. Denn die Umweltbilanz sowohl von echten als auch von künstlichen Weihnachtsbäumen ist aus mehreren Gründen nicht gerade gut.

Der Klassiker: Der echte Baum

In Deutschland stellen laut einer Umfrage rund die Hälfte der Haushalte eine echte Pflanze als Weihnachtsbaum auf. Je ein Viertel setzen auf die Kunsttanne oder stellen gar keinen Baum auf. Diejenigen, die sich einen echten Baum anschaffen, kaufen in knapp 80 Prozent der Fälle eine Nordmanntanne, gefolgt von der Blaufichte. Ursprünglich stammen beide Baumarten gar nicht aus Deutschland: Die Nordmanntanne ist eigentlich im Kaukasus heimisch, einem Hochgebirge zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer, und die Blaufichte in den Rocky Mountains im Westen der USA.

Foto einer Tannenplantage
Tannen so weit das Auge reicht: Oft wachsen die Bäume in Monokultur, wie auf dieser dänischen Plantage. © ricochet64/iStock

Dennoch werden nur etwa zehn Prozent aller in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume importiert, häufig aus Dänemark. Der überwiegende Teil wächst hingegen im Sauerland: Auf etwa 12.500 Hektar gedeihen dort rund ein Drittel der Tannen und Fichten, die hierzulande an Weihnachten geschmückt werden. Der großflächige Anbau der Bäume hat jedoch seinen Preis für die Umwelt. Viele Plantagen bestehen aus reinen Monokulturen – also aus Flächen, auf denen über Jahre hinweg nur eine einzige Baumart wächst. Das führt dazu, dass mehr Dünger benötigt wird, um ausgelaugte Böden zu kompensieren. Zudem sind solche einseitigen Bestände deutlich anfälliger für Schädlinge, weshalb häufiger zu Pflanzenschutzmitteln gegriffen werden muss.

Diese Mittel hinterlassen Spuren: Bei einer Untersuchung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Jahr 2020 wiesen 14 von 23 analysierten Weihnachtsbäumen aus verschiedenen Bundesländern Pestizidrückstände auf. „Besonders kritisch ist die hohe Mehrfachbelastung, viele Weihnachtsbäume sind einem regelrechten Pestizidcocktail ausgesetzt“, erklärt Corinna Hölzel vom BUND. „Die Wechselwirkung der Einzelstoffe auf die menschliche Gesundheit ist nahezu unbekannt.“ Zweimal fand der BUND sogar Pestizide, die nicht in Deutschland oder nicht für den Weihnachtsbaumanbau zugelassen waren.

Der Praktische: Der künstliche Baum

Echte Weihnachtsbäume stehen zwar in der Kritik, doch auch Kunststoffbäume haben ihre Tücken. Eine Studie des kanadischen Ellipsos-Instituts schätzte 2009, dass ein künstlicher Baum rund 20 Jahre genutzt werden müsste, um ökologisch besser abzuschneiden als ein echter. Das liegt vor allem an der energieintensiven Herstellung: Für einen Plastikbaum fallen im Durchschnitt etwa 40 Kilogramm CO2 an. Da viele Modelle zudem aus China importiert werden, erhöht der lange Transportweg die Emissionen weiter.

Ein natürlicher Tannenbaum verursacht dagegen nur etwa drei Kilogramm CO2 – selbst dann, wenn er nach den Feiertagen verbrannt wird. Während des Wachstums bindet er außerdem Kohlendioxid. Zusätzliche Emissionen entstehen lediglich beim Transport zum Verkaufsstand oder nach Hause. Wer den Baum möglichst klimafreundlich kaufen möchte, sollte daher zu einem Anbieter in der eigenen Umgebung greifen. Aber: „Unabhängig von der gewählten Baumart sind die Auswirkungen auf die Umwelt im Vergleich zu anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel der Autonutzung, vernachlässigbar“, schreibt das Ellipsos-Institut.

Was ist besser?

Eine nachhaltigere Alternative kann das Mieten eines Weihnachtsbaums sein. Die Tannen bleiben dabei im Topf und wandern nach den Feiertagen zurück zum Anbieter. Dort werden sie entweder im nächsten Jahr erneut vermietet oder später ins Freiland ausgepflanzt. Kritiker befürchten allerdings, dass die gemieteten Bäume dann wieder in einer Monokultur landen. Wer den eigenen Baum möglichst umweltfreundlich wählen möchte, kann auf Zertifizierungen wie FSC, Demeter, Bioland oder das allgemeine Bio-Siegel achten. Sie garantieren, dass die Tanne aus ökologischer Waldwirtschaft stammt – also ohne Pestizide heranwuchs und ohne dass dafür Waldflächen gerodet wurden.

Am besten ist es also, einen ökologisch zertifizierten echten Weihnachtsbaum aus der Region zu kaufen. Wer seinen Plastikbaum lang genug nutzt, kann aber auch damit guten Gewissens Weihnachten feiern.

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