Normalerweise macht es für Tiere wenig Sinn, den Partner bei einer anderen Art zu suchen. Wenn aus einer solchen Verbindung überhaupt Nachkommen entstehen, dann sind diese meist nicht fortpflanzungsfähig. So ist etwa die Paarung von Pferd und Esel nicht wirklich von Erfolg gekrönt: Muli und Maulesel sind steril, können also keinen weiteren Nachwuchs bekommen. Eine Kreuzung, die in freier Wildbahn vorkommt, ist das so genannte “Rackelwild”. Der unter Jägern bekannter Mischling aus Birkhahn und Auerhahn ist ebenfalls zeugungsunfähig. Weniger bekannte Kreuzungen, etwa die aus Schaf und Ziege, sind äußerst selten, weshalb Biologen sie nur für eine Laune der Natur halten.
Nun haben Forscher jedoch eine Vogelart beobachtet, bei der das anders ist: Der Halsbandschnäpper hat offenbar ein ausgeklügeltes System entwickelt, um die Nachteile der “Hybridisierung”, der Vermischung zweier Arten, auszugleichen. Britische Forscher von der Universität Oxford haben in den Wäldern Schwedens und der Tschechischen Republik das Paarungsverhalten des Halsbandschnäppers erkundet und dabei die erstaunliche Entdeckung gemacht. Über ihren Funde berichten Ben Sheldon und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Nature.
Die weiblichen Halsbandschnäpper paaren sich zunächst ganz normal mit ihren Artgenossen. Aber wenn sich die Paarungszeit dem Ende nährt, bevorzugen sie männliche Trauerfliegenschnäpper. Sie wechseln zur Konkurrenz, weil die Mischlingsnachkommen so spät im Jahr bessere Überlebenschancen haben. Die ungleichen Paare produzieren zwar mehr männlichen Nachwuchs als weiblichen. Das ist den Umständen entsprechend aber eher ein Vorteil: Die Mischlings-Männchen sind in ihrer Fortpflanzungsfähigkeit nur leicht beeinträchtigt, während Mischlings-Weibchen steril sind.
Die Halsbandschnäpper-Weibchen ziehen aus der ungewöhnlichen Paarungsstrategie alle denkbaren Vorteile. Die männlichen Halsbandschnäpper haben hingegen wenig zu melden. Sie sind schlicht froh, wenn sie überhaupt eine Frau abbekommen.
Cornelia Pfaff





