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Waschbären: Erfolg durch Neugier und Erkundungsfreude
Biologie

Waschbären: Erfolg durch Neugier und Erkundungsfreude

Die nach Europa eingeschleppten Waschbären sind erfolgreiche Kulturfolger. Sie räubern selbst verschlossene Mülltonnen aus und finden Unterschlupf unter unserem Dach. Dahinter könnte eine spezielle Fähigkeit der putzigen Marderverwandten stecken: Sie haben von Natur aus Freude am Erkunden und Knobeln, wie ein Experiment zeigt. In diesem tüftelten die Wachbären weiter an verschiedenen Öffnungsmöglichkeiten einer Box herum, obwohl sie ihre Belohnung längst erhalten hatten.
Autor
Nadja Podbregar
11. März 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Waschbären (Procyon lotor) waren ursprünglich nur in Nordamerika heimisch, wurden aber schon Anfang des 20. Jahrhunderts auch nach Europa gebracht – ursprünglich als Pelztiere und für Wildparks. Aus entkommenen und ausgesetzten Tieren entwickelte sich auch eine wachsende Population. In Deutschland leben inzwischen mehr als 100.000 Waschbären – nicht immer zur Freude von Anwohnern. Denn die anpassungsfähigen und intelligenten Marderverwandten sorgen durch geplünderte Mülltonnen, Dacheinbrüche und nächtlichen Lärm oft für Unmut. Selbst Riegel scheinen für einige Waschbären kein Problem.

Waschbär mit Knobelbox
Schafft es dieser Waschbär, die Knobelbox zu öffnen? © Hannah Griebling

Eine Knobelbox für Waschbären

Doch was macht die Waschbären zu so erfolgreichen Bioinvasoren und Kulturfolgern? Ein Schlüssel dazu könnte ihre Anpassungsfähigkeit sein: Die Tiere haben schnell gelernt, in Städten Futter zu finden und sich auch menschengemachte Objekte zunutze zu machen. Wie ausdauernd Waschbären beim Problemlösen sind, haben nun Hannah Griebling von der University of British-Columbia und ihre Kollegen in einem Experiment genauer untersucht. Dafür präsentierten sie 14 Waschbären eine transparente Box, in der ein Marshmallow eingeschlossen war – eine auch bei Waschbären begehrte Süßigkeit.

Doch um an den Marshmallow zu gelangen, mussten die Tiere mindestens eine von neun verschiedenen Öffnungsmöglichkeiten bewältigen. Die Spanne reichte von einfachen Schiebetüren und Klappen über Ösen und Riegel bis hin zu Drehknöpfen und Vorhängeschlössern. Anders als bei den meisten Tests dieser Art endete der Versuchsdurchgang aber nicht mit dem erfolgreichen Öffnen der Box und der Futterbelohnung: „Die Waschbären durften danach weiter mit der Knobelbox herumspielen“, berichten die Biologen. Damit wollten sie herausfinden, ob Waschbären auch ohne Futterbelohnung Lust am Erkunden und Ausprobieren von Neuem haben.

Tüfteln auch ohne Belohnung

Es zeigte sich: Die Waschbären schafften es nicht nur, die Box zu öffnen und ihren Snack herausnehmen. Sie knobelten auch nach Verzehr des Marshmallows weiter daran herum – obwohl sie sahen, dass die Box leer war. „Alle außer einem Waschbären lösten mehrere Öffnungsaufgaben pro Versuchsdurchgang“, berichten Griebling und ihre Kollegen. „Sie machten einfach mit dem Rumprobieren weiter, obwohl kein Marshmallow auf sie wartete.“ Nach Ansicht der Forschenden verrät dies, dass Waschbären von Natur aus neugierig sind: Die Tiere besitzen eine intrinsische Motivation zum Erkunden ihrer Umgebung, selbst wenn ihnen dies nicht sofort Futter einbringt.

Diese Fähigkeit könnte den putzigen Bioinvasoren gerade in der Stadt Vorteile bringen: „In urbanen Lebensräume sind die Ressourcen sehr veränderlich, daher ist es dort vorteilhaft, seine Umwelt oft zu erkunden“, erklärt das Team. Dabei passen die Waschbären ihre Neugier und Erkundungslust aber an die Umstände an: Erhielten die Tiere im Experiment eine Knobelbox mit mehreren eher einfachen Aufgaben, probierten sie daran länger herum. Waren die Öffnungsmechanismen dagegen komplizierter und erforderten mehr Zeit, knobelten die Waschbären weniger ausdauernd und verließen sich eher auf die zuerst gelöste Öffnungsmethode.

Abwägen von Kosten und Nutzen

„Das ist ein Muster, das wir von uns selbst kennen“, sagt Griebling: „Wenn man in einem teuren Restaurant sitzt, ist man beim Bestellen meist weniger experimentierfreudig und verlässt sich eher auf die sichere Option.“ Sind die Kosten dagegen überschaubar, ist man eher bereit, Neues zu wagen und ein Risiko einzugehen, das sich am Ende möglicherweise nicht auszahlt. In ähnlicher Weise wägen auch Wachbären Kosten und Nutzen ab: Sie erkunden mehr, wenn damit wenig Risiko und Aufwand verbunden ist.

„Waschbären gelten schon lange als intelligent, aber bislang gibt es erst wenig wissenschaftliche Forschung dazu“, sagt Grieblings Kollegin Sarah Benson-Amram. „Experimente wie unseres liefern nun die empirischen Belege für diesen Ruf.“

Quelle: Hannah Griebling (University of British-Columbia, Vancouver) et al., Animal Behaviour, doi: 10.1016/j.anbehav.2026.123491

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