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Was Stadtgärten attraktiv für Insekten macht
Erde & Umwelt

Was Stadtgärten attraktiv für Insekten macht

Der Beinwell wird vor allem von Hummeln bestäubt, die auch asphaltiert Flächen überwinden können. Die Bestäuber vieler anderer Pflanzen sind in Stadtgärten dagegen rar. · Foto: Marcus Schmidt

Wer nützlichen Insekten im heimischen Garten etwas Gutes tun will, kann ihnen ein reiches Blumen-Buffet anbieten. Selbst in dicht bebauten Gegenden finden Hummeln und einige Wildbienen den Weg zu diesen Blüten-Inseln. Für andere Bestäuber, darunter Schwebefliegen und Käfer, genügt das dagegen nicht. Sie sind auf besser vernetzte Lebensräume angewiesen, die ihnen ausreichend Möglichkeiten für die Entwicklung ihrer Larven bieten, zeigt eine Studie. Eine insektenfreundliche Stadtplanung erfordert demnach ein Zusammenspiel von privaten Gartenbesitzern und städtischen Akteuren.
Autor
Redaktion
27. Mai 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

In dicht bebauten Städten können Gärten und Grünflächen Refugien für nützliche Insekten bieten. Doch welche Arten können von den kleinen grünen und bunten Inseln mitten in grauen Betonwüsten voller versiegelter Flächen profitieren? Können Hobbygärtner, die mitten in der Stadt eigenes Obst oder Gemüse anbauen wollen, darauf hoffen, dass Bestäuber den Weg zu ihnen finden? Und wie lassen sich Städte so planen und weiterentwickeln, dass sie auch unseren sechsbeinigen Helfern einen Lebensraum bieten?

Insektenzählung in Gärten

Mit diesen Fragen hat sich ein Team um Merin Reji Chacko von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in der Schweiz beschäftigt. In 24 Gärten in Zürich haben Freiwillige mehrfach für jeweils neun Stunden am Stück dokumentiert, wie viele Insekten welcher Arten dort Blüten bestäubten und wie erfolgreich die Bestäubung war, also wie gut die Pflanzen anschließend Samen bildeten. Diese Faktoren setzten die Forschenden in Beziehung zur baulichen Verdichtung rings um den jeweiligen Garten sowie zu der lokalen Blütenvielfalt innerhalb des Gartens.

Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, stellten Reji Chacko und ihr Team vor Beginn der Zählungen in jedem Garten mehrere Blumentöpfe mit vier ausgewählten Pflanzen auf, die durch ihre Blütenform unterschiedlich stark auf bestimmte Bestäuber festgelegt sind – von der wilden Möhre, deren flache Doldenblüten leicht zugänglichen Nektar liefern und auch bei Insekten mit kurzen Mundwerkzeugen wie Schwebefliegen und Käfern beliebt sind, bis hin zum Beinwell, der seinen Nektar so tief in seinen Blütenkelchen verbirgt, dass nur Insekten mit langem Rüssel wie Hummeln und bestimmte Bienen ihn erreichen können.

Viele Blüten allein helfen nicht allen

Das Ergebnis: „Sowohl die Bestäubervielfalt als auch die Blütenbesuchsraten nahmen mit zunehmender baulicher Verdichtung und dem Verlust an Blütenvielfalt ab“, berichten die Forschenden. Dabei zeigten sich jedoch wichtige Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Insekten: „Während kleine solitäre Wildbienen und große soziale Bienen wie Hummeln in blütenreichen Gärten deutlich häufiger vorkamen, zeigte sich bei Schwebfliegen, Käfern und kleinen sozialen Wildbienen kein solcher Zusammenhang“, so das Team.

Egal wie bunt und vielfältig ein Garten auf lokaler Ebene gestaltet war: Gab es rings herum vor allem versiegelte Flächen, blieben Käfer und Schwebefliegen aus. Wie die Forschenden erklären, benötigen viele nützliche Käfer als Brutstätte Totholz, das in Städten und hübsch angelegten Gärten Mangelware ist. Die Schwebefliegen wiederum ernähren sich im Larvenstadium von Blattläusen. Wo diese fehlen, können sich auch keine erwachsenen Tiere entwickeln. Wenn ein Garten nicht mit Lebensräumen vernetzt ist, in denen sich Käfer und Schwebefliegen vermehren können, bleiben diese Bestäuber aus. Pflanzen wie die wilde Möhre, die vor allem auf diese Arten angewiesen sind, werden dadurch in Stadtgärten kaum befruchtet.

Privater und städtischer Einsatz

Für Pflanzen wie den Beinwell, die vor allem von Hummeln und Bienen mit langem Rüssel bestäubt werden, machte es dagegen im Experiment kaum einen Unterschied, wo in der Stadt sie wuchsen. Denn ihre Bestäuber können auch größere asphaltierte Bereiche überwinden und lassen sich von blütenreichen Gärten gerne anlocken. „Es lohnt sich immer, auf kleiner Fläche etwas für die Biodiversität zu machen, sogar wenn man in der Stadtmitte einen sehr isolierten Garten hat“, sagt Reji Chackos Kollege David Frey.

Als alleinige Strategie zum Schutz der Insekten genügt das aber nicht. Den Forschenden zufolge sind nicht nur Privatpersonen gefragt, sondern auch städtische Akteure. Denn wie die Studie gezeigt hat, profitieren nicht alle wichtigen Arten von Bestäubern von isolierten Blüh-Inseln. „Dem Lebensraumverlust in Siedlungen sollte daher nicht nur durch punktuelle Erhöhung des Blütenangebots begegnet werden, sondern ergänzend durch landschaftsweite Maßnahmen, wie beispielsweise das Schaffen und Vernetzen spezifischer Habitate für verschiedene Bestäubergruppen“, empfehlen Reji Chacko und ihr Team.

Quelle: Merin Reji Chacko (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf, Schweiz) et al., Journal of Applied Ecology, doi: 10.1111/1365-2664.70384

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