Heinz Sielmann gehört bis heute zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens. Mit seinen „Expeditionen ins Tierreich“ reisten Generationen von Fernsehzuschauern zu den Meerechsen der Galapagosinseln, den Paradiesvögeln Neuguineas oder den Berggorillas im Kongo. Bis in die 1990er-Jahre hinein setzte sich Heinz Sielmann filmisch, aber auch konkret für den Schutz von Natur und Lebensräumen ein.
„Heinz Sielmann hat mit seinen Filmen bei Millionen Menschen Neugier und Liebe für die Natur geweckt. Vor und hinter der Kamera vermittelte er seine Begeisterung so, dass die Zuschauer selbst mehr entdecken wollten“, sagt Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrats der Heinz Sielmann Stiftung. „Zugleich zeigte Heinz Sielmann, wie verletzlich die Lebensräume sind, die er filmte.“ Sielmann starb vor 20 Jahren - am 6. Oktober 2006 - im Alter von 89 Jahren in München. Aus diesem Anlass erinnert die Sielmann-Stiftung an die Verdienste des Tierfilmers und stellt eine neue Biografie vor: „Abenteuer Naturfilm. Heinz Sielmann – Vom Tierfilmer zum Medienpionier“ von Michael Sutor.
Von Vogelbeobachtungen am Haff zu den ersten Tierfilmen
Sein Interesse an der Natur entwickelte Heinz Sielmann schon früh: Schon als Schüler beobachtete und fotografierte der am 2. Juni 1917 geborene Sielmann Vögel auf den Wiesen am Frischen Haff in Ostpreußen. Besonders die Balz der Kampfläufer faszinierte ihn. Parallel dazu weckten erste im Kino gezeigte Tierfilme den Wunsch, später Tierfilmer zu werden. Zunächst stieß dies jedoch auf wenig Begeisterung seitens seiner Eltern, weil die Schulnoten des jungen Heinz unter seinen eifrigen Naturbeobachtungen litten. Dennoch setzte sich seine Leidenschaft durch: Wissenschaftler erkannten sein Talent und förderten den jungen Naturbeobachter. 1938 stellte er seinen ersten Stummfilm „Vögel über Haff und Wiesen“ vor. Parallel studierte Sielmann Biologie und Zoologie an der damaligen Reichsuniversität Posen.
Nach dem Krieg drehte Heinz Sielmann für das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht in München international anerkannte Naturfilme. Neu an diesen Filmen, darunter „Quick, das Eichhörnchen“ und „Zimmerleute des Waldes“, waren die tiefen Einblicke in zuvor verborgene Verhaltensweisen und Lebensumstände heimischer Tierarten. Dafür entwickelten Sielmann und seine Kollegen neue Aufnahmemethoden, durch die sie seltene und damals neuartige Aufnahmen direkt aus Nestern und Tierbauten erhielten. Für seine teils preisgekrönten Projekte arbeitete Sielmann auch mit bekannten Verhaltensforschern wie Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt zusammen.
Berggorillas, Galapagos und die „Expeditionen ins Tierreich“
Ende der 1950-er Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt von Sielmanns Filmen von der heimischen Tierwelt weg in exotischere Gefilde und zu seltenen Tierarten. Bei diesen Expeditionen war die Tierfilmer-Crew oft großen Entbehrungen und Risiken ausgesetzt - Ausdauer und technische Improvisation waren gefragt: Im Regenwald dämpften Sielmann und sein Team die lauten Kameras in ihren Verstecken mit Moos, damit scheue Vögel nicht sofort aufflogen. An einzelnen Motiven arbeitete das Team manchmal über Wochen unter widrigsten Bedingungen. 1958 drehte Heinz Sielmann im damaligen Belgisch-Kongo einen der ersten Filme über Berggorillas, 1962 bekam er für seinen gemeinsam mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt gedrehten Dokumentarfilm „Galapagos – Landung in Eden“ den Silbernen Bären bei der Berlinale. Es folgten Expeditionen nach Australien, Neuguinea und später Nordamerika.

Heinz Sielmann auf Expedition. — © Heinz Sielmann Stiftung
1965 begann ein weiterer Abschnitt in Sielmanns Karriere: Mit der NDR-Fernsehreihe „Expeditionen ins Tierreich“ wurde er nun auch einem Millionenpublikum bekannt. Mehr als 25 Jahre lang vermittelte Sielmann mit dieser Reihe Naturwissen zur besten Sendezeit und ließ die Zuschauer an Entdeckungen aus aller Welt teilhaben. Zugleich plante er Drehreisen, verhandelte mit Sendern und begleitete Schnitt und Vertonung. Verbindungen zur BBC und später zu National Geographic trugen zur internationalen Verbreitung seiner Filme bei.
Innerdeutscher Grenzstreifen und eine eigene Stiftung
Ein großes Anliegen blieb für Sielmann aber immer auch die heimische Tierwelt. Eines seiner wichtigsten Werke dazu drehte er 1988 am damaligen innerdeutschen Grenzstreifen: „Tiere im Schatten der Grenze“ zeigt den erstaunlichen Artenreichtum, der zwischen den Grenzanlagen der beiden deutschen Staaten entstanden war. Bereits vor dem Mauerfall warb Sielmann für eine Überwindung der deutschen Teilung und ein gemeinsames Naturschutzprojekt von Ost und West. Nach der Wende setzte sich Sielmann dafür ein, die auf dem Grenzstreifen entstandenen Lebensräume dauerhaft als „Grünes Band“ zu bewahren.
1994 gründete der Tierfilmer zusammen mit seiner Frau Inge die nach ihm benannte Heinz Sielmann Stiftung, um ihrem Engagement für den Naturschutz eine dauerhafte Grundlage zu geben. „Gemeinsam mit seiner Frau Inge hat er dafür gesorgt, dass sein Einsatz für ihren Schutz über sein Leben hinaus weitergeht. Diesen Auftrag führen wir fort, indem wir Lebensräume sichern, wiederherstellen und miteinander vernetzen“, sagt Brickwedde. Bis heute sichert und entwickelt die Stiftung bundesweit Lebensräume und vernetzt sie zu Biotopverbünden. Von der Stiftung unterhaltene Natur-Erlebniszentren in Brandenburg und im niedersächsischen Duderstadt vermitteln besonders Kindern und Jugendlichen Wissen über die heimische Natur.
Neue Biografie gibt Einblick „hinter die Kulissen”
Neue Einblicke in die Entstehungsgeschichten von Sielmanns Filmen liefert die am 3. September 2026 erschienene Biografie „Abenteuer Naturfilm. Heinz Sielmann – Vom Tierfilmer zum Medienpionier“. Der Autor Michael Sutor, selbst Dokumentarfilmer, hat dafür Sielmanns Tagebücher, Briefe, Fotografien sowie den Nachlass seines langjährigen Mitarbeiters Georg Theilacker ausgewertet. Im Mittelpunkt stehen Sielmanns Arbeiten und großen Expeditionen der 1960er-Jahre – mit beschwerlichen Reisen, technischen Pannen und hohen finanziellen Risiken.
Quelle: Heinz Sielmann Stiftung





