Text: Jutta Schneider-Rapp
Es summt und brummt auf der Wiese hinter dem Stuttgarter Polizeipräsidium. Zwischen hohen Gräsern und Wildblumen tummeln sich zahlreiche Insekten. Besondere Hingucker dabei: Schmetterlinge. Mit Bestimmungsbuch und Kescher ausgerüstet, nimmt Beatrice Ullrich die bunten Flieger genau unter die Lupe und identifiziert und zählt sie sorgfältig. Sie ist eine von acht Aktiven des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Stuttgart, die von Frühjahr bis Herbst auf Wiesen Tagfalter zählen. „Mir gefallen an den Faltern die bunten Farben, und ich mag das Leichte“, schwärmt Ullrich.
Bereits seit zehn Jahren engagiert sich der Stuttgarter Umweltverband beim Tagfalter-Monitoring, einem Projekt des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ in Leipzig und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS). Das Monitoring in Deutschland ist seit 2005 standardisiert. So können bundesweit und inzwischen auch europaweit länderübergreifend Aussagen zu Verbreitung, Biodiversität und auch zum Artenschwund gemacht werden.
Tagfalter seien gute Indikatoren für die Artenvielfalt der jeweiligen Landschaft, sagt Elisabeth Kühn, Projektkoordinatorin beim UFZ. Alle Arten von Insekten reagieren schnell auf Veränderungen der Umwelt, weil sie kurze Generationszyklen haben. „Wir hätten für das Monitoring auch Käfer oder Heuschrecken auswählen können, aber die lassen sich schwerer bestimmen und sind nicht so beliebt wie Tagfalter. Wir können unsere Ehrenamtlichen viel leichter davon überzeugen, Schmetterlinge zu zählen als Käfer“, räumt Kühn ein.
Immer auf Kurs bleiben
Der Erfolg gibt ihr recht. Derzeit engagieren sich bundesweit rund 500 Freiwillige für das Projekt. Als Beobachtungsfeld eignen sich Wiesen, aber auch Waldränder oder Grünstreifen. Damit die Ergebnisse wissenschaftlich verwendbar sind, sollen die Freiwilligen mindestens zehnmal pro Jahr den immer gleichen Kurs abgehen. Dazu teilen sie ihre Untersuchungsstrecke, landschaftsökologisch „Transekt“ genannt, in mehrere 50-Meter-Abschnitte ein. Gezählt wird alles, was bis etwa zweieinhalb Meter rechts und links des Weges und fünf Meter darüber zu sehen ist. Das wiederholt man bis zum Ende des Abschnitts. Einen Abschnitt abzulaufen, dauert durchschnittlich etwa fünf Minuten. So weit die Theorie.
In der Praxis variiert die Dauer: Beatrice Ullrich und ihre Kollegin Eva Wolfram nehmen sich für ihre acht Abschnitte eine Stunde Zeit. Wegen dem steilen Gelände gehen die beiden Ehrenamtlichen langsam und immer quer zum Hang. „Trotzdem ist es manchmal ganz schön rutschig“, berichtet Ullrich. „Wir sind die Gämsen unter den Schmetterlingszählerinnen.“
Auch der BUND-Aktive Fritz Weber braucht Standfestigkeit. Die von ihm betreute Schmetterlingswiese liegt in luftiger Höhe rund um die Grabkapelle in Stuttgart-Rotenberg. Die Hanglagen in allen Himmelsrichtungen schaffen ein Biotop mit verschiedenen Mikroklimazonen. Das steigert die Vielfalt.





