Meeresschutzgebiete werden meist mit dem Ziel angelegt, die biologische Vielfalt und vor allem seltene und bedrohte Meeresbewohner zu schützen. Gleichzeitig sollen solche Areale auch dazu dienen, den vielerorts stark überfischten Fischarten ein Refugium zu bieten. Tatsächlich belegen Untersuchungen, dass die Häufigkeit und die Biomasse mariner Tierarten in Meeresschutzgebieten ansteigt.
Effekt auf die Artenvielfalt bisher strittig
Weniger klar aber ist der Effekt solcher Schutzgebiete auf die marine Artenvielfalt: Profitiert die Biodiversität davon, wenn ein Meeresareal von der Fischerei ausgenommen wird oder nur sehr eingeschränkt befischt werden darf? Bisher waren die Belege für eine Zunahme der biologischen Vielfalt durch einen solchen Schutzstatus nicht eindeutig. Theoretisch gehen Biologen davon aus, dass sich eine größere Häufigkeit von Fischen insgesamt auch positiv auf die Vielfalt auswirkt. Weil Speisefische zudem meist zu den Prädatoren im Meeresökosystem gehören, müsste sich eine Erholung ihrer Bestände ausgleichend auf die Fischarten der unteren Ebenen der Nahrungskette auswirken: Weil die Räuber vermehrt die häufigsten Beutefischarten erhaschen, gleichen sich die Häufigkeiten dieser Fische im Laufe der Zeit aus – die relativen Anteile der Arten werden einheitlicher.
Soweit die Theorie. Ob sich dies auch in der Praxis nachweisen lässt, haben nun Shane Bowes vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig und seine Kollegen im Mittelmeer untersucht. Dieses ist eines der am stärksten vom Menschen beeinflussten und befischten Meeresgebiete weltweit. Aktuell sind 6,5 Prozent des Mittelmeeres als Schutzgebiete mit unterschiedlichem Schutzniveau ausgewiesen. Allerdings sind die Fischerei und jede andere Entnahme von marinen Ressourcen nur in einem Prozent des Meeres komplett verboten. Die Forscher haben nun die Artenvielfalt in 43 geschützten und 41 normal befischten Standorten im nördlichen Mittelmeer untersucht. Dabei verglichen sie die Anzahl der Individuen, die relative Häufigkeit der Arten und ihre Verteilung innerhalb und außerhalb der Schutzgebiete miteinander.
Mehr Spezies und ausgeglichenere Häufigkeiten
Die Auswertungen ergaben: Der Meeresschutz hat tatsächlich einen großen Einfluss auf die biologische Vielfalt. Allerdings profitieren seltene und häufige Arten in unterschiedlichem Ausmaß davon. Am besten erholen sich demnach die Bestände von häufigen und stark befischten Fischarten – ihre Häufigkeiten und Artenzahlen steigen sowohl in den einzelnen Schutzgebieten als auch insgesamt über alle Schutzgebiete hinweg, wie Bowes und sein Team berichten. Bei seltenen Fischspezies verändert sich die Biodiversität dagegen in deutlich geringerem Maße.





