Die Flaum-Haare auf der Haut des Menschen sind offenbar kein nutzloses Überbleibsel des Fells unserer entfernten Vorfahren: Britische Forscher konnten zeigen, dass wir durch die Behaarung krabbelnde Insekten auf der Haut schneller bemerken und uns so besser vor Parasiten wie Zecken, Mücken oder Bettwanzen schützen können. Außerdem brauchen Blutsauger offenbar länger, um im Haargewirr eine geeignete Einstichstelle zu finden, zeigten Experimente der Forscher mit Bettwanzen.
Den Forschern um Isabelle Dean von der University of Sheffield zufolge sei bisher unklar gewesen, warum der Mensch bei seiner Entwicklungsgeschichte zwar sein Fell verloren hat, aber den Flaum beibehalten habe. Die spärlichen Härchen isolieren nicht gegen Kälte oder Nässe und haben auch sonst keine offensichtliche Funktion, sagen die Forscher.”Unsere Ergebnisse legen nun nahe, dass das spärliche Körperhaar beim Menschen zumindest teilweise dazu beiträgt, den Parasitenbefall zu reduzieren”, resümiert Isabelle Dean.
Rasierte Arme für den Wanzen-Test
Für die Studie ließen sich zehn Frauen und 19 Männern jeweils einen Unterarm rasieren. Auf die haarlose Haut setzten die Forscher nun eine hungrige Bettwanze, ohne dass die Probanden das Insekt sehen konnten. Nun sollten sie melden, wann sie die krabbelnde Wanze spürten. Anschließend wurde dieses Experiment mit dem unrasierten Arm wiederholt. Ergebnis: Alle Versuchsteilnehmer nahmen die Bewegungen der Wanzen auf dem behaarten Arm schneller wahr. Die stärker behaarten Männer waren dabei deutlich sensibler als die Probandinnen, was ebenfalls für die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler spricht.
In den Versuchen zeigte sich auch noch ein weiterer Anti-Parasiten-Effekt der Haare: Die Bettwanzen brauchten auf den haarigen Unterarmen länger, um zum Stich zu kommen: Auf der Suche nach einer geeigneten Zapfstelle wuselten sie länger herum. “Diese verlängerte Suchzeit bedeutet einen Nachteil für die Parasiten, denn sie verbrauchen mehr Energie und werden leichter entdeckt”, sagen die Forscher.
Isabelle Dean von der University of Sheffield et al.: Biology Letters, DOI: 10.1098/rsbl.2011.0987 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg





