Mit einer Körperlänge von gut drei Metern und einem Gewicht von bis zu einer Tonne waren die Höhlenbären (Ursus spelaeus) imposante Vertreter der Eiszeitfauna. Noch vor rund 100.000 Jahren kamen diese Bären in Europa ausnehmend häufig vor – von keinem anderen großen Säugetier aus dieser Zeit sind so viele Fossilien gefunden worden. Sie belegen, dass das Verbreitungsgebiet der verschiedenen Höhlenbären-Unterarten einst vom Nordwesten Spaniens über Mitteleuropa bis zum Ural und ins arktische Sibirien reichte. “Doch trotz seiner Vielfalt und Verbreitung starb der Höhlenbär zu Beginn des letzten glazialen Maximums aus”, erklären Joscha Gretzinger von der Universität Tübingen und seine Kollegen. Vor rund 25.000 Jahren waren diese Riesen der Eiszeit endgültig verschwunden. Sie reihen sich damit in die Riege der vielen anderen großen Säugetiere ein, die einst in Europa häufig waren, dann aber spätestens mit dem Ende der Eiszeit ausstarben. Zu diesen gehören neben Mammut, Wollnashorn und anderen großen Pflanzenfressern auch einige große Raubtiere wie die Säbelzahnkatzen.
Klima oder Mensch?
Doch ähnlich wie bei den anderen Vertretern der Megafauna ist auch die Aussterbe-Ursache der Höhlenbären bisher strittig. Lange nahm man an, dass die extreme Kälte und Eisbedeckung auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit diese Bären aussterben ließ. Doch neuere Daten deuten darauf hin, dass der Populationsrückgang bei Ursus spelaeus schon Jahrtausende vor dem letzten glazialen Maximum begann. Das weckte die Vermutung, dass nicht die Natur, sondern der Mensch an ihrem Aussterben schuld sein könnte. Dafür aber fehlte es bislang sowohl an archäologischen wie genetischen Belegen. Deshalb haben nun Gretzinger und seine Kollegen die bislang umfangreichste DNA-Studie an fossilen Höhlenbären durchgeführt. Sie analysierten das Erbgut aus Knochenproben von 81 Bärenskeletten, die in der Schweiz, Polen, Frankreich, Spanien, Deutschland, Italien und Serbien gefunden worden waren. Von diesen 50.00 bis 23.000 Jahre alten Relikten konnten die Forscher in 59 Fällen mitochondriale DNA gewinnen und sequenzieren – dieser Teil des Erbguts liegt außerhalb des Zellkerns vor und wird nur über die mütterliche Linie weitergegeben.
Die DNA-Analysen ergaben: Die Höhlenbär-Population in Europa blieb in der Zeit vor 150.000 bis vor etwa 50.000 Jahre relativ stabil. Selbst während dreier besonders kalter Perioden des Eiszeitalters nahm die genetische Vielfalt der Bären kaum ab. “Daher erscheint es unwahrscheinlich, dass diese klimatischen Fluktuationen die Höhlenbär-Population in Europa substanziell beeinträchtigten”, sagen die Forscher. Nach dieser Zeit jedoch begann der Rückgang – zunächst langsam, dann ab etwa 40.000 Jahren in drastischem Maße. “Die Abkühlung am Anfang des letzten glazialen Maximums aber begann frühestens vor 30.000 Jahren – das ist fast 20.000 Jahre nach dem Beginn des Populationsrückgangs bei den Höhlenbären”, konstatieren Gretzinger und seine Kollegen. Ihrer Ansicht nach macht es dieser zeitliche Ablauf daher eher unwahrscheinlich, dass das Klima die Hauptursache für das Aussterben der Höhlenbären war.





