Wieso sind Tiere so groß wie sie sind? Warum entwickelten sich einige Arten im Lauf der Evolution zu Giganten, während andere zu Winzlingen schrumpften? Prinzipiell steckt hinter solchen Entwicklungen stets ein Selektionsprozess. War es für ein Wesen in seinem Lebensraum vorteilhaft, groß zu sein, konnten sich entsprechende Individuen besser vermehren. Dieser Trend ließ Arten wachsen, bis der Faktor Größe ausgereizt war und ein weiteres Wachstum keine Vorteile mehr brachte. Das gleiche Prinzip konnte umgekehrt auch zu einem Schrumpfen führen.
Was steckte hinter den Entwicklungstrends?
Eine der Triebfedern kann sowohl bei Größenzunahme als auch bei Abnahme im Lauf der Evolution beispielsweise der Schutz vor Feinden darstellen. Es kann vorteilhaft sein, besonders massig und wehrhaft oder aber winzig und flink zu sein. Irgendwann kommt es zu einem Entwicklungstrend in eine dieser beiden Richtungen. Oft ist aber der Grund für eine evolutionäre Entwicklung nicht immer so deutlich. Ein Forscherteam um Will Gearty von der Stanford University hat sich in diesem Zusammenhang mit der Frage befasst, was hinter der Entwicklung der Körpergrößen bei den Meeressäugern gesteckt hat.
Grundsätzlich ist dabei erst einmal festzustellen, dass die verschiedenen Gruppen dieser Wesen aus ganz unterschiedlichen Entwicklungslinien landlebender Säugetiere hervorgegangen sind: Robben und Seelöwen teilen Vorfahren mit den Hunden, Seekühe sind hingegen mit Elefanten verwandt, und Wale und Delfine sind aus urtümlichen Huftieren hervorgegangen. Diese Entwicklungsgeschichten sind durch Fossilien recht gut belegt. Mit diesen haben sich die Forscher im Rahmen ihrer Studie auch intensiv befasst. Sie sammelten Daten zu 3859 lebenden und 2999 fossilen Säugetierarten, die mit einem aquatischen Lebensstil verknüpft sind.
Sie analysierten die Informationen über Körperformen und Lebensweise durch eine Reihe von Modellen, um Zusammenhänge aufzudecken. “Der Schlüssel zum Verständnis ist, wie diese Arten miteinander verwandt sind und wie viel Zeit zwischen verschiedenen evolutionären Verzweigungsereignissen verstrichen ist”, sagt Gearty. “So konnten wir Einschätzungen entwickeln, welche Körpergrößen die Vorfahren heutiger Arten hatten und welche evolutionären Faktoren am besten zu dem passen, was wir heute sehen”.
Ein Kompromiss stellt sich ein
Die Forscher stellten zunächst fest: Wenn sich Landtiere an ein Leben im Wasser anpassten, entwickelten sie sehr schnell eine Körpergröße, die im Durschnitt bei etwa 500 Kilogramm lag. Es schien sich dabei um einen Optimalwert gehandelt zu haben, sagen die Forscher. Offenbar war Größe für das Leben im Wasser günstig, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Um ihn zu erreichen, haben Meeressäuger mit hundeartigen Vorfahren deutlich mehr zugelegt als diejenigen mit bereits relativ großen Ahnen, zeichnete sich ab.





