Veränderungen in einem bestimmten Gen beeinflussen die Wirksamkeit eines neuen Medikaments gegen Lungenkrebs: Während der Wirkstoff Gefitinib beim größten Teil der Lungenkrebspatienten keine Wirkung zeigt, stoppt er das Tumorwachstum bei Erkrankten vollständig, in deren Erbgut die speziellen Genmutationen vorliegen. Das entdeckten jetzt zwei amerikanische Forscherteams unabhängig voneinander. Die Wissenschaftler um Guillermo Paez vom Dana-Farber-Institut in Boston und Thomas Lynch von der medizinischen Fakultät von Harvard veröffentlichen ihre jeweiligen Arbeiten in den Fachzeitschriften Science (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1099314) und New England Journal of Medicine (Online-Vorabveröffentlichung aus Bd. 350).
Das veränderte Gen enthält die Informationen für einen Eiweißstoff, der sich auf der Oberfläche verschiedener Krebszellen befindet, darunter auch den Tumorzellen bei Lungenkrebs. Bestimmte Schlüsselmoleküle ? so genannte Wachstumsfaktoren ? können an dieses Oberflächenprotein andocken und über eine Kette von Reaktionen die Zelle dazu bringen, sich immer wieder zu teilen. Der Wirkstoff Gefitinib wurde entwickelt, um diese Reaktionskette zu unterbrechen und damit das ungehemmte Wachstum der Tumoren zu stoppen.
Klinische Studien bei Lungenkrebspatienten hatten jedoch gezeigt, dass nur etwa 10 Prozent der Erkrankten auf eine Behandlung mit Gefitinib ansprachen. Der Erfolg bei diesen wenigen Patienten war jedoch dramatisch, da innerhalb sehr kurzer Zeit das Tumorwachstum fast vollständig zum Stillstand kam. Die Wissenschaftler entdeckten nun den Grund dafür: Die Mutationen im Gen verändern das Eiweiß so, dass es deutlich empfindlicher reagiert ? sowohl auf die Wachstumsfaktoren als auch auf den Hemmstoff Gefitinib.
Die Forscher empfehlen, vor einer Behandlung mit Gefitinib zu untersuchen, ob beim betreffenden Patienten das Gen verändert ist oder nicht. So könnten unwirksame, für den Patienten belastende Therapien vermieden werden. Die Studie zeige erneut, wie wichtig die genetische Veranlagung für die Entwicklung einer effektiven, wirksamen Therapie sei. Ähnliche Zusammenhänge fanden Forscher bereits bei anderen Krebserkrankungen wie beispielsweise Brustkrebs. Das Ziel der Wissenschaftler ist die Entwicklung einer individuellen Medizin, bei der jeder Patient maßgeschneiderte Medikamente bekommt.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





