Viele Sportler und Artisten kennen das Phänomen: Wenn sie sich unter Druck oder gestresst fühlen, lässt ihre Leistung selbst bei jahrelang geübten und “gut sitzenden” Fertigkeiten nach. Psychologen der Michigan State University sind der Frage nachgegangen, ob die Betroffenen unter Stress ihrer Kunst zu viel oder zu wenig Aufmerksamkeit entgegenbringen und deshalb ihre Handlungen schlechter als normalerweise ausführen.Sie kommen zu dem Schluss, dass die verschlechterte Leistung auf eine plötzliche Über-Konzentration zurückzuführen ist. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher in der Dezemberausgabe des “Journal of Experimental Psychology: General”.
Mit 54 Golfanfängern führten Thomas H. Carr und Sian L. Beilock verschiedene Tests durch. Die Forscher teilten die Versuchspersonen in drei Gruppen und trainierten jede in Bezug auf eine bestimmte Golftechnik, bis sie diese perfekt beherrschten. Die äußerlichen Trainingsbedingungen waren bei der ersten Gruppe normal. Bei der zweiten Gruppe sollten die Teilnehmer nebenbei noch eine zweite Aufgabe ausführen. Sie mussten Wörter von einem Band hören und einen bestimmten Schlüsselbegriff immer dann wiederholen, wenn sie es hörten. Die dritte Gruppe erhielt die Information, dass ihr Training von einer Videokamera aufgezeichnet würde. Beilock und Carr sagten dieser Gruppe, dass die Videobänder an Golfprofis verschickt würden, und dass die Golfanfänger sich Mühe geben sollten, so gut wie möglich zu trainieren.
Bei der eigentlichen Ausführung der Golfaufgabe wurden die Versuchsteilnehmer leichtem und starkem Stress ausgesetzt. Beim Ohne-Stress-Test konnten die Teilnehmer aller drei Gruppen ihre Schläge ohne Ablenkung von außen durchführen, beim Stress-Test bekamen die Teilnehmer die Anweisung, ihre Leistungsfähigkeit möglichst verbessern. Nur dann gebe es eine finanzielle Belohnung und einen von ihnen abhängigen Partner.
Es zeigte sich, dass alle drei Gruppe beim Ohne-Stress-Test gut abschnitten. Das Bild wandelte sich jedoch unter den Stressbedingungen. Die Gruppe, die anfangs die Golftechnik ungestört trainieren konnte und die zweite Gruppe, die während der Ablenkung durch die Wörter vom Band trainierte, wurden bei der Ausführung der Aufgabe beim Stresstest deutlich schlechter. Jene Gruppe aber, die beim Training gefilmt worden war, verbesserte sich während des Stresstests. “Dies legt nahe, dass die Anpassung an eine Umgebung, in der man von Anfang an auf seine Handlungsausführung achten musste, eine Art von Immunisierung gegen die negativen Wirkungen der Leistung unter Stress mit sich bringt “, spekulieren die Forscher.
Doris Marszk





