Blick in die Kinderstube der Baumsämlinge
“Diese sogenannte Janzen–Connell-Hypothese gilt als wahrscheinlichste Erklärung für hohe Artenvielfalt, empirische Belege dafür gibt es allerdings bisher kaum”, so die Forscher. Deshalb wollten sie diese Hypothese nun in einem Experiment überprüfen. Dafür verglichen sie die Artenzahl und –dichte von Baumsamen und Sämlingen in 36 verschiedenen Versuchsflächen im Regenwald von Belize. Ein Teil der Flächen wurde nur regelmäßig mit Wasser gegossen, andere erhielten entweder ein Insektizid mit dem Gießwasser oder aber eines von zwei Fungiziden. Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Sämlinge unter diesen verschiedenen Behandlungen entwickelten und ob und wie sich die Artenvielfalt auf den Flächen im Laufe von 17 Monaten veränderte.
Das Ergebnis war selbst für die Forscher überraschend: “Wir haben schon erwartet, dass sowohl das Insektizid als auch die Fungizide einen Effekt auf die Baumarten haben würde”, erklärt Robert Freckleton von der Sheffield University, einer der beiden Studienleiter. Doch dieser Effekt war weitaus deutlicher als angenommen. Wurde die normale Pilzfauna durch ein Spritzmittel abgetötet, sank auch die Artenzahlt der Baumsämlinge auf den Flächen um rund 16 Prozent. Die Bekämpfung der Insekten wiederum senkte zwar nicht die Vielfalt der Baumarten, veränderte aber die Artenzusammensetzung.
“Unsere Ergebnisse bestätigen, dass sowohl pflanzenfressende Insekten als auch Schadpilze dazu beitragen, tropische Pflanzengemeinschaften zu strukturieren und ihre Artenvielfalt zu erhalten”, konstatieren Bagchi und seine Kollegen. Denn diese vermeintlichen Schädlinge verhindern, dass eine Art dominant wird und andere verdrängt – wie es auch die Janzen–Connell-Hypothese postuliert. Das könnte nach Ansicht der Forscher auch erklären, warum gerade in den tropischen Regenwäldern die Artenvielfalt besonders hoch ist: Weil es dort warm und feucht ist, gedeihen Pilze besonders gut und können ihre regulierende Wirkung daher voll entfalten.





