Wer in der Körperhaltung eines Menschen Angst erkennt, stellt sich unbewusst auf Flucht ein: Für die Motorik zuständige Hirnareale werden ebenso aktiviert wie Emotionszentren. Über ihre Untersuchungen der Gehirnaktivität von sieben Probanden berichten Beatrice de Gelder von der Harvard-Universität in Charlestown und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0407042101).
Die Probanden sahen sich Bilder an, auf denen verschiedene Körperhaltungen Glück, Angst oder einen neutralen Gemütszustand signalisierten. Eine Messung ihrer Gehirnaktivität mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRI) zeigte, dass das Gehirn unterschiedlich auf die dargestellte Körpersprache reagierte. Betrachteten die Testpersonen ein Bild eines Menschen, dessen Körpersprache Glück ausdrückte, war im Gehirn nur der Teil stark aktiviert, der visuelle Informationen bearbeitet. Drückte die Körpersprache hingegen Angst aus, aktivierte dies bei den Probanden neben den für die Verarbeitung von Emotionen zuständigen Hirnregionen Amygdala, dem orbifrontalen Cortex und dem Nucleus accumbens außerdem auch den motorischen Cortex, der Bewegungsabläufe steuert.
Die Aktivierung sowohl von Emotion als auch Motorik hilft dem Betrachter wahrscheinlich, bei Gefahr schneller zu reagieren, erklären die Wissenschaftler. Ein ähnliches Muster war von Studien mit Bildern von verschiedener Mimik schon bekannt, jedoch war bislang unklar, wie das Gehirn unterschiedliche Körpersprache wahrnimmt. Die Ergebnisse könnten das Phänomen erklären, warum sich Angst in einer Menschenmasse so schnell ausbreitet, auch wenn diese aus anonymen Gesichtern besteht.
ddp/bdw ? Eva Hörschgen





