Wissenschaftler des Karolinska-Instituts in Stockholm haben eine aus der Archäolgie bekannte Alterbestimmungsmethode auf menschliche Gewebeproben angewendet. Dabei fanden die Forscher heraus, dass Zellen des visuellen Cortex so alt wie die untersuchten Individuen selbst waren. Dies unterstützt die schon seit längerem aufgestellte Hypothese, dass diese Zellen im Gegensatz zu vielen anderen im Laufe des Lebens nicht nachgebildet werden.
Jonas Frisen und seine Kollegen untersuchten in ihrer Studie Gewebeproben Verstorbener, die in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren worden waren. Dabei benutzten die Forscher die in der Archäologie häufig angewendete Methode der Kohlenstoffdatierung. In diesem Verfahren wird das Verhältnis von gewöhnlichem zu radioaktiven Kohlenstoff (C-14) bestimmt, und auf diese Weise kann die Probe unter Berücksichtigung der Halbwerteszeit von C-14 datiert werden.
Da C-14 allerdings eine Halbwertszeit von knapp 6000 Jahren besitzt, beträgt die Unsicherheit in der Altersbestimmung häufig mehrere Jahrzehnte. Somit sollte sich diese Methode eigentlich nicht für die Bestimmung des Alters von Zellen eignen.
Frisen und seine Kollegen nutzten jedoch den Umstand aus, dass die Konzentration von C-14 in der Atmosphäre durch Atombombentests oberhalb der Erdoberfläche zur Zeit des Kalten Krieges fast verdoppelt wurde. Nach dem Stopp der überirdischen Tests im Jahre 1963 nahm dieser Überschuss mit einer Halbwertszeit von etwa 11 Jahren ab.
Diese kurze Halbwertszeit ermöglichte den Forschern, das Alter von Zellen in Gewebeproben verschiedener Organe zu bestimmen. Obwohl die Zellen des visuellen Cortex der Studie nach das höchste Alter aufwiesen, sind mitnichten alle Zellen im Gehirn derartig lange funktionstüchtig.
Jonas Frisen et al. ( Karolinska-Institut): Cell, Band 122, Seite 133
Stefan Maier





