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Bretagne: Wandern am Ende der Welt
Morgens um 5:30 Uhr mit Stirnlampe und Wathose geht es los. „Nur mit den Fußballen auftreten, nicht mit den Fersen“, rät mir Rozenn Le Fur. Aber ich bleibe trotzdem immer wieder im kniehohen Schlamm stecken. Le Fur hingegen watet wie ein Silberreiher ohne Probleme durch das Schilf. Wir spannen drei Meter hohe Netze und stellen eine Klangattrappe auf: Trrrrr, didididi. In der Dämmerung gehen wir zurück zu der kleinen Holzhütte. Wir sind in der Bretagne, an der mitten im Sumpfgebiet von Trunvel gelegenen Vogel-Beringungsstation. An der Bucht von Audierne liegen 150 Hektar Schilf, Seen und Feuchtwiesen. Feucht heißt viele Insekten; heißt wiederum nicht lustig für uns, weil Stechmücken; aber sehr interessant für ansässige Brutvögel wie Bartmeise, Blaukehlchen und Pupurreiher.
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Text: Marleen Beisheim
Morgens um 5:30 Uhr mit Stirnlampe und Wathose geht es los. „Nur mit den Fußballen auftreten, nicht mit den Fersen“, rät mir Rozenn Le Fur. Aber ich bleibe trotzdem immer wieder im kniehohen Schlamm stecken. Le Fur hingegen watet wie ein Silberreiher ohne Probleme durch das Schilf. Wir spannen drei Meter hohe Netze und stellen eine Klangattrappe auf: Trrrrr, didididi. In der Dämmerung gehen wir zurück zu der kleinen Holzhütte. Wir sind in der Bretagne, an der mitten im Sumpfgebiet von Trunvel gelegenen Vogel-Beringungsstation. An der Bucht von Audierne liegen 150 Hektar Schilf, Seen und Feuchtwiesen. Feucht heißt viele Insekten; heißt wiederum nicht lustig für uns, weil Stechmücken; aber sehr interessant für ansässige Brutvögel wie Bartmeise, Blaukehlchen und Pupurreiher.
Stündlich stapfen sieben Ehrenamtliche zu den feinmaschigen sogenannten Japannetzen, entkuddeln hineingeflogene Vögel, um sie anschließend auf dem Tisch vor der Hütte zu messen, zu wiegen und die Vogelart zu bestimmen. Schilf- und Teichrohrsänger, Braunkehlchen, Grauschnepper – viele Zugvögel.
Und plötzlich sind alle vor dem Häuschen aus dem Häuschen: ein Seggenrohrsänger. Im Gegensatz zu dem häufig vorkommenden Schilfrohrsänger hat dieser hier einen markanten schmalen gelbbeigen Scheitelstreif und eine kräftige schwarze Oberseitenstreifung. Auf dem Flug von seinem Hauptverbreitungsgebiet in Polen, Belarus und der Ukraine nach Westafrika macht er hier momentan einen Boxenstopp. Der als gefährdet eingestufte Vogel ist mit etwa 22.000 Individuen Europas seltenster Sperlingsvogel. „In den 2000er Jahren wurden hier etwa 50 bis 100 Seggenrohrsänger je Sommer beringt. Ab 2013 waren es etwa 20 Individuen jährlich“, erläutert Christine Blaize vom Verein Bretagne Vivante, der sich um die Beringungsstation kümmert. In dieser Saison werden es insgesamt neun Seggenrohrsänger, eine sinkende Tendenz also. „Dieser Rückgang ist repräsentativ für die weltweite Population“, ergänzt Blaize. Grund dafür ist das Verschwinden seines Lebensraums, Niedermoore und Sumpfgebiete mit Seggenwiesen. Der Langstreckenzieher bekommt einen Ring ums Bein. Die 26-jährige Rozenn Le Fur hält ihn kurz für ein Foto in die Luft. Als sie ihre Hände öffnet, macht er ein paar Flügelschläge und verschwindet im Schilf. Auch ich will weiterziehen, auf dem direkt an der Beringungsstation entlangführenden Fernwanderweg GR 34. Seit zwei Wochen bin ich nun mit dem Zelt unterwegs.
Der Wanderweg schlängelt sich entlang der bretonischen Küste, mal direkt am Meer über kilometerlange Strände und durch ausgedehnte Dünenlandschaften, mal landeinwärts durch Feuchtgebiete, Wälder und Flusstäler. Von Carnac in der Südbretagne will ich in zwei Monaten bis nach Morlaix an der Nordküste. Das sind 1.000 Kilometer zu Fuß durch verschiedenste Landschaften. Die Konstante ist das Meer, wobei sich auch das permanent ändert, mal ruhig, mal stürmisch.
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Die ersten zehn Tage bin ich gemeinsam mit einem Freund unterwegs. Wir starten Ende Juli in Carnac und verbringen die ersten Tage auf der Halbinsel Quiberon. Barfuß den Strand entlang und dann weiter über Sand auf Dünen. Dabei immerzu Meeresrauschen im Hintergrund. Das besondere an der 14 Kilometer langen Halbinsel ist, dass die windgeschützte Ostküste an eine ruhige Bucht grenzt und die wilde Westseite den starken Winden des Atlantiks ausgesetzt ist. An dieser „Côte Sauvage“ prallen Wellen auf die aus dem Ozean ragenden Klippen. Ganz so wild ist es dort dann aber doch nicht. Aufgestellte kniehohe Zäune sollen die Touristen auf den Wegen halten, damit die Vegetation ihre Ruhe hat und Vögel ungestört brüten können. Im Vergleich zum Winter sind zwischen April und Oktober auf Quiberon immerhin zehnmal so viele Menschen.
Noch nicht im Flow, aber vollends die Natur genießend, werde ich als Tourist eingestuft und erst einmal zurechtgewiesen. „Ihre Stöcke“, spricht mich ein Wanderer an, „die brauchen auf den Metallspitzen einen Gummiaufsatz.“ Auch Schilder weisen darauf hin. Denn der Gummiaufsatz verhindert, dass die Wanderstöcke in Pflanzenwurzeln eindringen und sie zerstören. Und ebendieser Pflanzenteppich ist es, der den Sand in den Dünen hält.
In den ersten Wochen in der Südbretagne führt der Wanderweg teils an kilometerlangen Stränden entlang. Das Tolle ist, dass man nicht wieder irgendwohin zurückmuss. Man kann kontinuierlich weiterlaufen, direkt am Meer, dem Wasser ausweichend und auf feuchtem festem Sand. Nach vier Wochen Sonnenschein mit hitzebedingter Zwangs-Siesta zwischen 13:00 und 16:00 Uhr, fällt der erste Tropfen Regen ausgerechnet auf Crozon. Etliche Fernwanderer schwärmen von dieser Halbinsel. Beeindruckend sind die felsigen, ins Meer hineinragenden Kaps: Pointe de Dinan, Cap de la Chèvre und Pointe des Espagnols. Die Halbinsel ist Teil des Regionalen Naturparks Armorique und als ein UNESCO Geopark ausgezeichnet. Crozon besteht fast ausschließlich aus Sedimentgestein, das zwischen 550 und 370 Millionen Jahre alt ist. Diese Gegend war damals von Meer bedeckt. Sand und Schlamm lagerten sich ab und verfestigten sich im Laufe der Zeit zu Sandstein und Schiefer. An den Klippen am Meer sieht man ein Nebeneinander der verschiedenen Erdzeitalter – Ordovizium, Silur und Devon –, meterhohe gebogene Gesteinsfalten, Basaltströme aus altem Vulkanismus und fossile Geröllhalden – ein riesiges Freilichtmuseum der Erdgeschichte.
Seegras in der Bucht von Brest
Crozon grenzt im Norden an die tief ins Festland hineinragende Bucht von Brest. Mit nach unten gerichtetem Blick watet Jacques Grall durch das kniehohe Wasser. „Seegras muss permanent vom Meer bedeckt sein, aber braucht auch Licht. Also muss es sich im seichten Wasser ansiedeln“, erklärt der Biologe und zieht einen Büschel Gewöhnliches Seegras aus dem Wasser. Diese im Meer wachsende Blütenpflanze bildet in der Bucht von Brest eine etwa zwei bis 20 Meter breite Unterwasserwiese entlang der Küste. Anstatt in Wind wiegt sich das Seegras in Wellen und statt Insekten bewohnen es Fische – junge Wolfsbarsche, Goldbrassen, Seepferdchen und Seenadeln. „Das Seegras ist eine wichtige Kinderstube für Fische“, sagt Grall, „und es hat eine sehr hohe Artenvielfalt.“ Dort leben große und kleine Wirbellose wie Sepien und Seespinnen sowie Würmer, Strandflöhe und Hunderte Arten von Muscheln. Bei extremer Ebbe – wie es heute der Fall ist – kommt man in Watstiefeln bis an das Seegras heran.
Jacques Grall legt das Büschel in sein schwarzes Keschernetz. Für ein Projekt an der Université de Bretagne Occidentale in Brest will der Forscher den Zusammenhang zwischen der Eutrophierung – Anreicherung von Nährstoffen im Wasser – und der Vielfalt der Tierwelt im Seegras herausfinden. „Hier ist das Wasser nährstoffreich und es sind viele Algen auf dem Seegras“, stellt der Forscher fest. Bei dichtem Algenbewuchs bekommt das Seegras weniger Licht. Dementsprechend ist das Seegras in der Bucht nicht in einer sehr guten Verfassung.
Außerhalb der Bucht von Brest geht es dem Seegras an den bretonischen Küsten jedoch relativ gut. Praktisch auch für den Küstenschutz, denn das Seegras dämpft Wellen ab und seine Wurzeln halten den Sand an Ort und Stelle. Das kann der Erosion an der Küste ein wenig vorbeugen. Entlang des Wanderwegs sieht man, dass die Küstenlinie fast überall zurückgeht. An manchen Stellen stürzen Dünen und Klippen ein. Manchmal wird der Küstenwanderweg deswegen gesperrt oder umgeleitet.
Die „bretonischen Korallen“
Jacques Grall stapft aus dem Wasser ans Ufer. Im Schlick entdeckt er neben einer Samtkrabbe und einem Seestern einen weiteren Hotspot der Biodiversität, die Maerl. Was aussieht wie rote Miniaturkorallenriffe, sind in Wirklichkeit aber keine Tiere, sondern rote Kalkalgen. Diese bilden am Meeresgrund eine Art Teppich. In der Bucht von Brest ist dieser etwa 20 Quadratkilometer groß. „Das Besondere an diesem Lebensraum ist, dass dort sowohl Arten leben, die eine felsig-raue Umgebung brauchen, als auch Arten, die normalerweise im Sand und Schlamm leben“, sagt Grall. Auf den festen Kalkformationen sitzen nämlich Schwämme und im Schlamm darunter verkriechen sich Vielborster, das sind Ringelwürmer mit vielen Borsten. Dieses Nebeneinander gibt es sonst nirgendwo in der Region. Außerdem ist es ein Zufluchtsort für kleine Meerestiere wie junge Jakobsmuscheln, die in den Maerl Nahrung finden und gleichzeitig vor Fressfeinden geschützt sind.
Im Gegensatz zu dem Seegras steht es um die Maerl gar nicht gut, sie verschwinden in der Bucht von Brest und in der Bretagne generell. Lange Zeit wurden sie wegen ihres Kalkgehalts als Bodendünger für die Landwirtschaft sowie für die Trinkwasseraufbereitung genutzt. Die Maerl dürfen zwar in der Bretagne nicht mehr abgebaut werden, aber geschützt sind sie ansonsten nicht. In der Bucht von Brest werden sie wortwörtlich in Mitleidenschaft gezogen, und zwar durch metallene Schleppnetze, mit denen Jakobs- und Venusmuscheln gefischt werden. Naturschutzbehörden versuchen indes, zumindest Ankerplätze für Boote so umzubauen, dass sie nicht die Maerl zerstören.
Die Maerl wachsen etwa 0,3 Millimeter pro Jahr. Teilweise sind sie in der Bucht von Brest über 500 Jahre alt. Mit diesem Wissen betrachte ich die etwa drei Zentimeter großen Kalkformationen auf eine ehrwürdige Art und Weise. Diese rund 100 Jahre alten roten Kalkalgen werden von der Flut bedeckt. Und ich ziehe weiter Richtung Norden, an Brest und seinem großen Hafen vorbei, bis an die Westküste des Finistère, Französisch für das „Ende der Erde“. Auf Bretonisch heißt die Gegend „Penn-ar-Bed“ – Kopf der Erde.
Am Ende der Welt
Im Vergleich zu den langen Sandstränden der Südbretagne wird es hier endlich richtig rau. Schroffe Felsen, hohe Klippen, starker Wind und Wellengang. Ich sehe zum ersten Mal einen bretonischen Basstölpel. Möwen schießen durch die Lüfte. Eine Kegelrobbe taucht aus dem Wasser auf und schaut mich mit ihren glupschigen schwarzen Augen an. Taucht ab. Taucht neugierig wieder auf, um mit den Wellen zu treiben.
Es ist mittlerweile Anfang September und das Wetter sehr wechselhaft, mit teils mehreren Regenschauern am Tag. In einem wolkenlosen Moment ist es ein ganz besonderes Gefühl, vom Leuchtturm Saint Mathieu zurück auf Crozon zu blicken, Luftlinie zwölf Kilometer, und auf das dahinterliegende felsige Kap Pointe du Raz, Luftlinie 32 Kilometer. Auf dem Fernwanderweg waren es bis dorthin immerhin 240 Kilometer. Beeindruckend, was man alles zu Fuß laufen kann.
Die Region der Abers
Wobei ich auch manchmal das Gefühl habe, überhaupt nicht voranzukommen. Vor allem beim Anblick der Ria – galicisch für Fluss. In der Nordbretagne heißen sie Abers – bretonisch für Zusammenfluss. Die Abers sind schmale und weit, sehr weit ins Landesinnere reichende Meeresbuchten. Im Gegensatz zu Fjorden sind sie weniger tief, nur etwa bis zu 20 Meter, und befinden sich in einem Tal mit relativ geringem Gefälle. Sie sind mit dem Meeresspiegelanstieg nach der letzten Eiszeit entstanden. Und zwar flutete das Meer damals die Flusstäler. Dieses Phänomen sieht man auch heute noch tagtäglich.
Und so stehe ich in der Nordbretagne an der Mündung des Aber Benoît und würde am liebsten auf die andere Uferseite schwimmen. Stattdessen macht der Wanderweg einen riesigen Umweg entlang des Abers, ein stetiges Auf und Ab durch Wälder, über eine Brücke und auf der anderen Seite entlang des Abers wieder zurück bis zum Meer. Bei Flut sieht ein Aber aus wie ein ganz normaler Fluss. Bei Ebbe sinken Boote zu Boden, Möwen und Wattvögel kommen angeflogen, eine Wattlandschaft wird sichtbar.
Und zum Vorschein kommt, wer sich an Salz, starke Meeresströme und Winde angepasst hat: Strand-Sode, Strand-Aster und die essbaren Queller. „Die Pflanzen der Salzwiese sind sehr wichtig für die Biodiversität. In ihnen verstecken sich die kleinen Tiere der Gezeitenzone, beispielsweise ganz kleine Krabben“, erklärt Mickaël Guillou, „und die sind eine wichtige Nahrungsquelle für Fische und Vögel.“ Als Verantwortlicher für die Naturräume in der Region der Abers setzt er sich für den Schutz der Küsten ein. An Guillous Arm prangt das Emblem der Küstenbehörde. Vorne auf seine Jacke heftet er einen Aufnäher mit französischer Flagge und einem Baum in deren Mitte. Darauf steht: „Police de l’environnement“. Als Umweltpolizist informiert und sensibilisiert er für Regeln in den Abers und in den Dünen.
„Ein Problem sind freilaufende Hunde, vor allem während der Brutzeit der Vögel“, merkt Guillou an. Auf meiner Wanderung sehe ich sie andauernd. Ein Regelverstoß, für den der Umweltpolizist eine Geldstrafe von bis zu 135 Euro verhängen kann.
Dünenvegetation
Auf der anderen Seite des Aber Benoît kniet mit Papier, Stift und Smartphone Emmanuel Quéré auf dem weichen Boden einer Graudüne. Für die botanische Schutzbehörde von Brest kartiert er alle Wildpflanzen der Bretagne. Heute aktualisiert er die Liste der Pflanzenarten in diesem Gebiet. „Fast alle großen Dünenmassive, wie dieses 100 Hektar große, sind in der Bretagne als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen, da es ein Gebiet ist, das auf europäischer Ebene eher selten ist“, merkt Emmanuel Quéré an. Im Gegensatz zu den sandigen Weißdünen, die an den oberen Strand anschließen und auf denen der Gewöhnliche Strandhafer vorkommt, haben die Graudünen eine kleine Humusauflage. Die darauf wachsenden Flechten verleihen der Düne ihren Grauton. Eine der letzten Mittelmeer-Strohblumen blüht hier noch.
Es ist mittlerweile Spätsommer, die Bretagne liegt außerdem am Rand ihres Verbreitungsgebiets, weiter nördlich kommt diese Art nicht mehr vor. „Im Juli ist es hier wunderschön, wenn sich das Gelb der Mittelmeer-Strohblume mit dem Lila des Thymians vermischt“, schwärmt der Botaniker. Wir laufen weiter, der Boden wird zunehmend sandiger und Quéré notiert auf seiner Artenliste die Stranddistel. Ihre bläuliche Wachsschicht schützt sie vor starker Sonneneinstrahlung und dem Austrocknen. In Frankreich ist sie Teil der Weißdüne und geschützt. Die Stranddistel ist sie das Symbol der französischen Küstenschutzbehörde. Diese kauft Küstengebiete, die durch Urbanisierung bedroht oder geschädigt sind und versucht das ökologische Gleichgewicht wieder herzustellen. Küstenwächter sind für Pflege und Beaufsichtigung der jeweiligen Küstenabschnitte, Dünen und Feuchtgebiete zuständig. Zäune und Informationstafeln sollen die Besucher für die Natur sensibilisieren. Mein Gummiaufsatz auf den Wanderstöcken trägt auch ein ganz kleines bisschen zum Dünenschutz bei – immerhin. Das Gummi ist am Ende der Wanderung tatsächlich etwas abgenutzt. Meine Schuhe auch und meine Füße sagen: Es reicht! Die letzten Tage vor Morlaix laufe ich sowieso nur noch, um anzukommen. Der innere Abschluss der Wanderung war eine Woche zuvor: In Meneham bei einem orangefarbenen Sonnenuntergang vor einem bis zum Horizont reichenden Felsenmeer und dem Wunsch, irgendwann die andere Hälfte des insgesamt 2.000 Kilometer langen Küstenwanderwegs zu laufen.
Irosie – Seegebiet der Bretagne
Riesenhai Warnhinweise entlang des Küstenwanderwegs, darauf abgebildet ist ein Hai mit offenem Maul. Darunter eine Telefonnummer für den Fall, dass er gesichtet wird. In den bretonischen Gewässern kann man tatsächlich dem Riesenhai begegnen. Mit bis zu zehn Metern Länge ist er der zweitgrößte bekannte Fisch der Welt, nach dem Walhai. Angst muss man aber keine haben. Mit weit aufgerissenem Maul durchstreift er im Schneckentempo die Weltmeere und frisst Plankton. Um mehr über das Verhalten dieses diskreten und vom Aussterben bedrohten Riesenhaies zu erfahren, bitten Forschende Touristen per Plakat um Mithilfe. Und tatsächlich: Obwohl Riesenhaie die meiste Zeit unter Wasser sind, gab es 2025 30 Sichtungen.
Delfine Mehr als 200 Große Tümmler (o. r.) leben in der Iroise. Diese Art von Delfinen stößt alle zwei Stunden die oberen Hautzellen ab, um weniger Wasserwiderstand zu haben. Vom Wanderweg aus kann man ganzjährig Gruppen des Großen Tümmlers vor der Küste sehen, zum Beispiel bei dem Kap Pointe du Raz. Oder auf einer Bootstour Richtung der Inseln Île-de-Sein, Île d’Ouessant und dem Archipel von Molène.
Grünalgen Wortwörtlich atemberaubend: Einige Buchten, vor allem solche mit wenig Strömung, haben mit angeschwemmten Grünalgen zu kämpfen. Wenn sie verrotten, stinken sie und geben giftige Gase ab. Deswegen sollte man sich von diesen mehreren Zentimeter dicken Grünalgen-Teppichen fernhalten.
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