Seit den 1980er Jahren hat die Internationale Walfangkommission (IWC) zum Schutz von 13 Großwalarten ein Fangverbot verhängt. Die meisten Länder halten sich an dieses Moratorium, nicht aber Japan, Island und Norwegen. Japan schickt regelmäßig Fangflotten in antarktische Gewässer, um dort Zwergwale für “wissenschaftliche Zwecke” zu töten. Norwegen und Island dagegen haben gegen das Moratorium zum Schutz der Wale formellen Einspruch erhoben und sind damit nicht an das Fangverbot gebunden.
Tausende Wale getötet
Seit Bestehen des Walfangverbotes fielen dadurch allein im Nordostatlantik circa 15.000 Wale explosiven Harpunen zum Opfer. Norwegen ist dabei inzwischen die führende Walfang-Nation: In den Jahren 2014 und 2015 töteten norwegische Fangschiffe mehr Wale als Island und Japan zusammen, wie die Umweltschutzorganisationen OceanCare, Pro Wildlife und das Animal Welfare Institute berichten. In den zehn Jahren von 2005 bis 2015 wurden 5617 Wale in norwegischen Gewässern erlegt.
Die Fangquote legt die norwegische Regierung vor jeder Saison selbst fest – vorgeblich nach Berechnungsgrundlagen, wie sie auch die Walfangkommission verwendet. Umweltschützer bezweifeln dies jedoch: “Norwegen schraubt eigenmächtig an den seitens der IWC festgelegten Variablen, sodass anstelle von 300 Zwergwalen im Nordostatlantik plötzlich 1278 Wale als nachhaltige Fangquote gelten sollen”, sagt Nicolas Entrup von der Organisation OceanCare. “Führende Wissenschaftler stufen die eigenmächtigen Quoten von Norwegen – und übrigens auch die von Island – als nicht nachhaltig ein.”
Kaum noch Nachfrage
Jetzt hat die Walfangsaison im Nordatlantik erneut begonnen. In diesem Jahr wurden 1278 Zwergwale zum Abschuss freigegeben – fast 300 mehr als noch im Vorjahr. Das Paradoxe daran: Selbst im letzten Jahr wurde die Fangquote nicht einmal ansatzweise voll ausgeschöpft. Statt der erlaubten 999 Wale töteten die norwegischen Walfänger mit 432 Tieren so wenige Zwergwale wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auch waren mit nur elf Walfangbooten knapp halb so viele Boote beteiligt wie im Jahr zuvor.
Der Grund dafür: Es gibt kaum noch eine Nachfrage nach Walfleisch und anderen Walprodukten in Norwegen. Im Jahr 2011 gaben weniger als fünf Prozent der Norweger an, häufiger oder regelmäßig Walfleisch zu essen. Ein Teil des überschüssigen Walfleischs wird nach Japan exportiert, doch auch dort sinkt die Nachfrage inzwischen. Nach Angaben von Tierschutzorganisationen lag der Export von Minkewalfleisch von 2002 bis 2015 bei 230.000 Kilogramm – das entspricht etwa 150 kompletten Minkewalen.
Über Bord gekippt und an Tiere verfüttert
Um das Walfleisch überhaupt noch loszuwerden, wurde ein großer Teil davon in den letzten Jahren zu Tierfutter für Hunde und Pelztierfarmen verarbeitet. Allein im Jahr 214 sollen 113.700 Kilogramm Walfleisch auf diese Weise verfüttert worden sein. Bedenklich auch: Die Fangschiffe kippen noch auf See große Mengen Fleischabfälle, Knochen, Innereien und Walblubber über Bord. Einige Gemeinden in Nordnorwegen beschwerten sich deshalb im August 2015 öffentlich. Einer der Einwohner berichtete: “Ich fand stinkende Walmägen, Blubber und Eingeweide, die im Fjord schwammen und an Land gespült wurden.”





