Text: Robin Vornholz
Auch Bäume haben gerne Gesellschaft. Sie teilen sich ihren Lebensraum mit Kräutern, Moosen, Farnen und Gräsern. Diese Waldgesellschaften haben sich über Jahrtausende an die Bedingungen ihres Standorts angepasst und spiegeln das Zusammenspiel von Umweltfaktoren wie Wasser, Nährstoffangebot und Licht wider. Deshalb verrät das Puzzle aus den Pflanzenarten auch etwas über den Standort.
Heutzutage sind solche ursprünglichen Konstellationen selten geworden, da der Mensch an vielen Punkten in die Natur eingreift. Oft fehlen typische Arten oder es wachsen völlig andere Pflanzen, als die Faktoren des Standorts eigentlich vermuten lassen würden. So bestehen in Mitteleuropa inzwischen weniger als zehn Prozent der Waldfläche aus naturnahen Waldgesellschaften. Würden diese ohne jegliche Einflüsse wachsen, wären natürlicherweise große Teile Deutschlands von Buchenmischwäldern bedeckt. Stattdessen wurden große Flächen mit Monokulturen von Kiefern- und Fichten aufgeforstet, die fast überall und schnell wachsen.
Dagegen kommt die Rotbuche in Deutschland nur auf eine Fläche von 1,8 Millionen Hektar und macht somit circa 16 Prozent der Baumarten im deutschen Wald aus. Sie bevorzugt ein mildes Klima und viel Regen, gilt sogar als Zeigerart für feucht-gemäßigtes Klima. Je nach Bodenbeschaffenheit bildet sie verschiedene Gemeinschaften: Auf kalkreichen Böden den Kalk-Buchenwald, dessen Unterwuchs auffällig viele Orchideenarten aufweisen kann. Auf kalkarmen Sandböden hingegen bildet sich ein Buchen-Stieleichen- oder Buchen-Traubeneichenmischwald. Die Rotbuche wächst in jungen Jahren schnell und benötigt nur wenig Licht. Später entwickelt sie ein dichtes Blätterdach, das nur wenig Licht für andere Pflanzen durchlässt und so zum Beispiel junge Kiefern verschattet.
Kommt es an Standorten jedoch zu periodischen Überflutungen, etwa an Flussläufen, wird es der Buche zu nass. Hier würden die Buchenmischwälder naturgemäß in Hartholzauen übergehen. Vorherrschende Baumarten auf nassen Böden sind meist Stieleichen, Feldulmen, Flatterulmen oder die Gemeine Esche, die mit Staunässe und schwankenden Grundwasserspiegeln gut klarkommen. Ihre lichteren Kronen ermöglichen dem Unterwuchs, also kleineren Bäumen, Sträuchern und Gebüsch, gute Bedingungen, zu wachsen.
Auch die Höhenlage hat Einfluss auf die Artenzusammenstellung. Waldgesellschaften in höheren Lagen ähneln aufgrund der dort herrschenden Temperaturen oft denen nördlicher Regionen. In den Alpen wandelt sich zum Beispiel ein Buchen-Eichenwald mit zunehmender Höhe zu einem Buchen-Tannen- oder Buchen-Tannen-Fichtenwald. Je höher man kommt, desto weniger Rotbuchen gibt es – stattdessen nehmen Tannen und schließlich Fichten ihren Platz ein. In den höchsten Lagen bildet ein dichter Fichtenwald die letzte geschlossene Waldgesellschaft, bevor es auch für diese Bäume zu kalt wird.





