Sie sind so groß, dass Räuber ihnen kaum etwas anhaben können – doch das gilt nur für die ausgewachsenen Tiere aus der Gruppe der Bartenwale. Die Jungtiere der Meeresriesen stehen hingegen auf dem Speiseplan eines raffinierten Meeresräubers – des auch Killerwal genannten Orca (Orcinus orca). In Rudeln erbeuten diese intelligenten Zahnwale gezielt die Jungtiere von Buckel-, Glattwal und Co. Bei der Ortung der Beute spielt das Gehör der Orcas eine wichtige Rolle: Sie lassen sich von den Geräuschen und der Kommunikation der Bartenwale in der Unterwasserwelt leiten.
Im Lauf der Evolution haben die Bartenwale allerdings Strategien entwickelt, um ihre Jungtiere vor den Angriffen der Orcas zu schützen. Frühere Beobachtungen haben bereits gezeigt, dass Buckelwale aus diesem Grund versuchen, möglichst wenig akustisch auf sich aufmerksam zu machen: Mutter und Kalb kommunizieren über ihre Unterwasserlaute besonders leise, wenn sich Orcas in der Nähe aufhalten. In der aktuellen Studie sind die Forscher um Mia Nielsen von der Universität Aarhus nun der Frage nachgegangen, inwieweit auch die Südlichen Glattwale (Eubalaena australis) ihre Kälber auf ähnliche Weise vor den Räubern schützen.
Wozu diese Strandnähe?
Die bis zu 18 Meter langen und 80 Tonnen schweren Glattwale nutzen Buchten im Südwesten Australiens als ihre Kinderstuben: Dort bringen die Walkühe ihre bereits fünf bis acht Meter langen Jungtiere zur Welt und versorgen sie anschließend mit Muttermilch. Wie die Forscher berichten, zeigten ihre Beobachtungen, dass sich die Mutter-Kind-Paare dort häufig gezielt dem Strand nähern: Sie schwimmen in Abschnitte, in denen das aufgewühlte Wasser teils nur bis fünf Meter tief ist und sich die Wellen brechen. Den Forschern zufolge ist dies mit einem erhöhten Risiko einer Strandung verbunden. So stellte sich die Frage, warum die Tiere es eingehen. Die Vermutung lag nahe, dass dieses Verhalten dem Schutz vor Orcas dient: Bieten die krachenden Wellen akustische Deckung? Doch wie kommunizieren Mutter und Kind dort?
Um diesen Fragen nachzugehen, haben die Wissenschaftler einige Mutter-Kind-Paare mit Tonaufzeichnungs-Geräten ausgerüstet: Als sich die Tiere an der Oberfläche ausruhten, konnten die Forscher die Geräte durch Saugvorrichtungen an den Riesen anbringen – in der Hoffnung, die anschließenden Interaktionen des Paares aufzuzeichnen. “Die
Geräte blieben im Durchschnitt etwa sieben Stunden an den Müttern haften”, sagt Nielsen. Die deutlich größere Herausforderung stellten die Kälber da: “Südliche Glattwale gehen sehr kontaktfreudig miteinander um – die Kälber verbringen viel Zeit damit, sich an der Mutter zu reiben und über ihren Rücken zu rollen”, erklärt die Wissenschaftlerin. Deshalb lösten sich die Geräte von den Jungtieren vergleichsweise schnell. Hauptsächlich mussten sich die Forscher deshalb auf die Aufzeichnungen der an den Walmüttern befestigten Geräte verlassen. Wie sie berichten, konnten sie so in neun Fällen insgesamt 63 Stunden der Kommunikation zwischen Kuh und Kalb sowie die Geräuschkulisse im Brandungsbereich aufzeichnen.





